Am Flughafen Düsseldorf hat die Polizei gestern Abend einen seit Monaten international gesuchten Mordverdächtigen festgenommen. Der 24-jährige Mann wurde bei der Einreisekontrolle identifiziert, als er mit einem Flug aus Istanbul ankam. Nach Angaben der Bundespolizei lag gegen ihn ein internationaler Haftbefehl wegen eines Tötungsdelikts in Spanien vor.
Besonders auffällig: Der Verdächtige reiste mit seinen eigenen Ausweispapieren ein, obwohl er wissen musste, dass nach ihm gefahndet wird. «Das erleben wir immer wieder«, erklärt Polizeihauptkommissarin Claudia Weber. «Manche Täter unterschätzen schlicht die internationale Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden.»
Der Mann soll im Januar an der Costa del Sol einen 42-jährigen Geschäftsmann erschossen haben. Spanische Medien berichten von Verbindungen ins Drogenmilieu. Nach der Tat gelang ihm zunächst die Flucht in die Türkei.
Dass ausgerechnet Düsseldorf zum Ort der Festnahme wurde, überrascht mich nicht. Seit Jahren beobachte ich, wie der Flughafen der Landeshauptstadt zu einem wichtigen Knotenpunkt der europäischen Sicherheitsarchitektur geworden ist. Allein im vergangenen Jahr wurden hier mehr als 230 mit Haftbefehl gesuchte Personen festgenommen.
Der Verdächtige wurde noch am Flughafen dem Haftrichter vorgeführt und sitzt nun in Untersuchungshaft. Die spanischen Behörden haben bereits die Auslieferung beantragt. Bis zu einer möglichen Überstellung kann es jedoch noch Wochen dauern. «Das Auslieferungsverfahren folgt strengen rechtlichen Vorgaben«, bestätigt Rechtsanwalt Michael Hoffmann, der auf internationale Strafsachen spezialisiert ist.
Der Fall zeigt einmal mehr: Die Welt ist für Straftäter kleiner geworden. Internationale Fahndungssysteme funktionieren – wenn auch manchmal mit Verzögerung. Die Frage bleibt, warum der Verdächtige überhaupt nach Deutschland einreiste. War es Übermut, Verzweiflung oder ein geplanter Schachzug?