In Erfurt wurde gestern die erste Moschee Thüringens feierlich eingeweiht – ohne die befürchteten Proteste. Die Ahmed-Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde öffnete nach zweijähriger Bauzeit ihre Pforten im Stadtteil Marbach. Rund 450 Gäste, darunter Vertreter aus Politik und verschiedenen Religionsgemeinschaften, nahmen an der Zeremonie teil. Mit ihrer Kuppel und dem 13 Meter hohen Minarett setzt die Moschee einen neuen Akzent in der thüringischen Hauptstadt.
«Es ist ein Tag der Freude und des Miteinanders», sagte Gemeindevorsteher Suleman Malik während der Eröffnung. Der 36-Jährige betonte, wie wichtig dieser Moment für die rund 70 Mitglieder der Gemeinde sei. «Wir haben lange auf diesen Tag hingearbeitet.«
Die Bauphase war nicht ohne Hindernisse. Immer wieder tauchten islamfeindliche Parolen und Hakenkreuze auf dem Baugelände auf. Auch Drohbriefe erhielt die Gemeinde. Doch bei der Eröffnung blieb es ruhig. Die befürchteten Proteste rechter Gruppen blieben aus.
Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) sprach von einem «wichtigen Zeichen für religiöse Vielfalt» in der Stadt. Er erinnerte daran, dass der Weg bis zur Eröffnung steinig war. «Aber heute zeigt sich: Toleranz und Dialog haben sich durchgesetzt.»
Als ich die strahlenden Gesichter der Gemeindemitglieder sah, erinnerte ich mich an ähnliche Eröffnungen in Baden-Württemberg. Dort gehören Moscheen längst zum Stadtbild vieler Kommunen.
Die Ahmadiyya-Gemeinde hat angekündigt, regelmäßig zu «Tagen der offenen Tür» einzuladen. «Wir wollen Teil dieser Stadt sein und Brücken bauen«, erklärte Malik. Das Gebäude kostete rund 1,2 Millionen Euro und wurde hauptsächlich durch Spenden finanziert.
Die Eröffnung markiert einen Meilenstein für Thüringen, das bislang als einziges Bundesland ohne repräsentatives islamisches Gotteshaus war. Ob sich das gesellschaftliche Klima durch diesen Neubau nachhaltig verändert? Die kommenden Monate werden es zeigen.