Die Situation an der Münchner Eisbachwelle spitzt sich zu. Seit Jahrzehnten surfen Menschen auf der künstlichen Welle im Englischen Garten – jetzt geht die Stadt München verstärkt gegen sie vor. Gestern Vormittag rückten Mitarbeiter des Bauamts und Polizeibeamte an. „Das war eine Kampfansage der Stadt an uns Surfer», berichtet Thomas Weber (42), der die Szene seit 15 Jahren kennt.
Die Eisbachwelle zieht täglich Hunderte Zuschauer an, doch die rechtliche Situation ist kompliziert. Der Fluss gilt als lebensgefährliches Gewässer, das Surfen ist offiziell verboten – wird aber seit Jahren geduldet. „Wir haben uns mit der Stadt auf bestimmte Regeln geeinigt, die wir strikt einhalten», erklärt Carolin Meier vom Verein „Interessengemeinschaft Eisbachwelle«.
Gestern wurden jedoch mehrere Surfer kontrolliert und verwarnt. Die Stadt begründet ihr Vorgehen mit Sicherheitsbedenken und Beschwerden von Anwohnern. Ein Sprecher des Baureferats betont: „Die Welle war nie als Surfspot konzipiert. Die baulichen Veränderungen gefährden die Wassersicherheit.»
Aus meiner langjährigen Beobachtung der Münchner Szene sehe ich hier einen klassischen Konflikt zwischen gelebter Stadtkultur und Verwaltungsvorschriften. In Hamburg habe ich Ähnliches bei Konflikten um die Hafenrandbebauung erlebt.
Die Surfer-Community reagiert mit Unverständnis. „Die Eisbachwelle ist längst ein Wahrzeichen der Stadt, in jedem Reiseführer zu finden», sagt Weber. Eine Online-Petition zum Erhalt hat bereits über 8.000 Unterschriften gesammelt.
Die nächsten Wochen werden zeigen, ob ein Kompromiss möglich ist. Vermutlich braucht es einen runden Tisch mit allen Beteiligten. Die Eisbachwelle steht stellvertretend für die Frage: Wem gehört eigentlich der öffentliche Raum unserer Städte?