Die Menschen in München verbringen jedes Jahr fast fünf volle Tage ihres Lebens im Stau. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Verkehrsdatenspezialisten TomTom. Mit durchschnittlich 113 Stunden pro Pendler liegt die bayerische Landeshauptstadt deutschlandweit an der Spitze der Stau-Statistik, noch vor Berlin und Hamburg.
Besonders kritisch wird es zwischen 16 und 18 Uhr. Wer dann auf dem Mittleren Ring unterwegs ist, braucht für eine normalerweise 30-minütige Strecke bis zu 25 Minuten länger. «Die Infrastruktur in München wächst einfach nicht so schnell wie die Zahl der Menschen und Fahrzeuge», erklärt Verkehrsexperte Prof. Dr. Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen.
Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich. Münchens Industrie- und Handelskammer schätzt den volkswirtschaftlichen Schaden durch Staus auf etwa 700 Millionen Euro jährlich – durch verlorene Arbeitszeit, höheren Kraftstoffverbrauch und Umweltbelastung.
Als Journalistin, die jahrelang in München gearbeitet hat, kann ich bestätigen: Die Verkehrssituation hat sich spürbar verschlechtert. Wo ich früher in 20 Minuten vom Stadtteil Sendling in die Innenstadt kam, brauche ich heute zur gleichen Zeit oft doppelt so lange.
Die Stadt reagiert mit dem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. «Nur wenn wir deutlich mehr Menschen vom Auto auf Bus und Bahn bringen, können wir das Problem in den Griff bekommen», sagt Münchens Mobilitätsreferentin Christina Bernhard. Doch reicht das?
In den kommenden Jahren wird die Situation wohl kaum besser werden. Zuzug, steigende Pendlerzahlen und Baustellen sorgen dafür, dass München seine unrühmliche Position als Deutschlands Stau-Hauptstadt wohl behalten wird. Vielleicht ist es Zeit für radikalere Lösungen – oder einfach für mehr Homeoffice?