In Untergiesing herrscht heute Morgen Entsetzen: Ein 35-jähriger Mann wurde gestern Abend in seiner Wohnung tot aufgefunden. Die Polizei spricht von einem Tötungsdelikt, nachdem Nachbarn gegen 21 Uhr laute Schreie hörten und den Notruf wählten. Als die Beamten eintrafen, konnten sie nur noch den Tod des Mannes feststellen.
«Es ist ein Schock für die ganze Nachbarschaft», sagt Anwohnerin Heike Müller, die seit 15 Jahren im Viertel lebt. «So etwas hat es hier noch nie gegeben.» Die Mordkommission hat die Ermittlungen aufgenommen und bittet Zeugen um Hinweise.
Gleichzeitig bereitet sich München auf einen großen Streik im öffentlichen Nahverkehr vor. Ab Mittwoch werden U-Bahnen, Trams und viele Buslinien für 48 Stunden stillstehen. Die Gewerkschaft ver.di fordert bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne für die rund 1.800 Beschäftigten der MVG.
«Die Belastung unserer Mitarbeiter hat ein unerträgliches Maß erreicht», erklärt Gewerkschaftssprecher Thomas Weber. Nach mehreren gescheiterten Verhandlungsrunden sieht ver.di keinen anderen Ausweg mehr.
Als ich gestern am Marienplatz mit Pendlern sprach, war die Stimmung gemischt. Viele haben Verständnis für die Anliegen der Streikenden, sorgen sich aber um ihren eigenen Arbeitsweg. «Ich verstehe die Forderungen, aber ohne U-Bahn komme ich nicht zur Arbeit», sagte eine junge Frau, die täglich von Pasing in die Innenstadt pendelt.
Die Stadtwerke planen einen Notfallplan mit einigen wenigen Buslinien und empfehlen, wenn möglich auf das Fahrrad umzusteigen oder Fahrgemeinschaften zu bilden. Der Streik trifft München mitten im Sommermonat Juni, wenn viele Touristen die Stadt besuchen.
Was bleibt, ist die Frage: Wie viel Druck ist nötig, um Verbesserungen zu erreichen? Und wie viel Einschränkung ist für die Münchner zumutbar? Eine Antwort darauf müssen beide Seiten am Verhandlungstisch finden – hoffentlich bald.