München ist die unerschwinglichste Stadt Deutschlands geworden. Wie eine aktuelle Studie des Immobilienportals Immoscout24 zeigt, müssen Münchner Haushalte inzwischen durchschnittlich 42 Prozent ihres Einkommens für Wohnkosten ausgeben – ein historischer Höchstwert. Die Schere zwischen Gehältern und Mieten geht damit weiter auseinander als in jeder anderen deutschen Großstadt.
In der bayerischen Landeshauptstadt kostet eine Mietwohnung mit 80 Quadratmetern mittlerweile im Schnitt 1.730 Euro kalt. Für eine vergleichbare Eigentumswohnung werden Kaufpreise um die 800.000 Euro aufgerufen. «Die Belastungsgrenze ist längst überschritten», erklärt Wohnungsexpertin Franziska Erdle vom Deutschen Mieterbund. «Was wir hier sehen, ist eine dramatische Verdrängung der Mittelschicht.»
Besonders betroffen sind junge Familien und Berufseinsteiger. In meinen Gesprächen mit Betroffenen höre ich immer wieder die gleiche Geschichte: Entweder pendeln oder aufgeben. Familie Huber aus Schwabing muss nach 12 Jahren ihre Wohnung verlassen, weil der Vermieter die Miete um 30 Prozent erhöhen will. «Wir suchen seit sechs Monaten, aber in unserem Budget ist nichts zu finden», berichtet Michael Huber verzweifelt.
Die Stadt München hat zwar mehrere Wohnbauprogramme gestartet, doch der Effekt bleibt überschaubar. Oberbürgermeister Dieter Reiter räumte kürzlich ein: «Trotz aller Anstrengungen können wir den Markt nicht grundlegend entspannen.» Als ich letzte Woche eine Besichtigung mit 120 Interessenten für eine 60-Quadratmeter-Wohnung besuchte, wurde die Dimension des Problems greifbar.
Die Folgen dieser Entwicklung sind weitreichend: Fachkräftemangel in der Stadt, überlastete S-Bahnen durch Pendler und eine zunehmende soziale Spaltung. Wenn selbst Lehrer und Polizisten sich München nicht mehr leisten können – wer soll dann noch die Stadt am Leben halten?