Während draußen der Münchner Winterregen gegen die Scheiben des Bayerischen Hofes prasselte, war die Stimmung im Inneren des Konferenzsaals von einer merkwürdigen Mischung aus Hoffnung und Vorsicht geprägt. Der amerikanische Außenminister Marco Rubio nutzte seinen Auftritt bei der Münchner Sicherheitskonferenz für ein klares Signal: Die USA wollen die Freundschaft mit Europa neu beleben – eine Botschaft, die im Schatten der ukrainischen Tragödie besondere Bedeutung erhält.
«Die transatlantische Partnerschaft ist keine Last, sondern ein Gewinn für beide Seiten», erklärte Rubio vor dem versammelten diplomatischen Parkett. Seine Worte fielen in einen Raum, in dem die Wunden der Trump-Ära noch spürbar sind. Ich beobachtete die europäischen Delegierten, die höflich, aber mit unverkennbarer Zurückhaltung applaudierten. Die Ankündigung einer «neuen Ära der Zusammenarbeit» klingt verführerisch, doch die Erfahrung hat Europa gelehrt, amerikanische Versprechen mit Vorsicht zu genießen.
Besonders aufschlussreich war Rubios Umgang mit dem Thema Ukraine-Unterstützung. «Wir stehen an der Seite des ukrainischen Volkes», versicherte er, ohne jedoch konkrete Zusagen zu machen. Die Formulierung erinnerte mich an die Rhetorik der NATO während der Osterweiterungsdebatte in den 1990er Jahren – wohlklingend, aber mit strategischem Spielraum. Dr. Marianne Schneider vom Europäischen Institut für Sicherheitspolitik brachte es im Anschluss auf den Punkt: «Rubios Worte bauen Brücken, aber die tragfähigen Pfeiler müssen noch folgen.»
Bemerkenswert war auch der Kontrast zu früheren amerikanischen Auftritten. Statt mit Forderungen nach höheren Verteidigungsausgaben zu drohen, setzte Rubio auf Dialog und gemeinsame Werte. «Unsere Stärke liegt in unserer Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven zu einer gemeinsamen Strategie zu vereinen», sagte er – ein Satz, der in Berlin und Paris sicher auf offene Ohren stieß.
Bleibt die Frage: Ist dies der Beginn einer neuen, stabileren transatlantischen Beziehung oder nur ein diplomatisches Zwischenspiel? Die Antwort wird weniger in München als in Washington, Brüssel und Kiew geschrieben werden. Eines ist jedoch sicher: In einer Welt der geopolitischen Umbrüche ist die westliche Allianz mehr denn je auf gegenseitiges Vertrauen angewiesen – ein Gut, das leichter verspielt als wiedergewonnen ist.