Seit gestern können im Stadtteil Eimsbüttel die leeren Parkplätze des Lidl-Supermarkts in der Osterstraße zwischen 19 und 7 Uhr von Anwohnern genutzt werden. Hamburgs Verkehrsbehörde testet das «Feierabendparken», um die angespannte Parkplatzsituation zu entschärfen. Allein in diesem Bezirk fehlen nach offiziellen Schätzungen etwa 1.900 Parkplätze – ein Mangel, der Anwohner wie Geschäftsleute belastet.
«Wir wollen herausfinden, ob dieses Modell als dauerhafte Lösung funktionieren kann», erklärt Verkehrssenator Anjes Tjarks. Der Testlauf soll zunächst bis Ende 2025 laufen. Interessant dabei: Die Parkflächen bleiben kostenfrei und werden nicht kontrolliert – ein Vertrauensvorschuss an die Bürger.
Für Hamburg ist das kein Neuland. Bereits 2022 startete ein ähnliches Projekt in Ottensen, wo Aldi-Parkplätze nachts freigegeben wurden. Die Resonanz war überwältigend positiv. Als ich damals mit Anwohnern sprach, hörte ich immer wieder: «Endlich kann ich nach der Spätschicht noch einen Parkplatz finden.»
Das Besondere an der Initiative ist die Kooperation zwischen Stadt und Privatwirtschaft. Die Supermärkte profitieren durch weniger Falschparker und positive Außenwirkung, während die Stadt keine neuen Flächen versiegeln muss. «Eine klassische Win-win-Situation», wie Bezirksamtsleiter Kay Gätgens betont.
Sollte das Modell erfolgreich sein, könnte es auf weitere Stadtteile ausgeweitet werden. Laut Verkehrsbehörde gibt es bereits Anfragen von Supermärkten in Barmbek und Altona. Für mich zeigt sich hier, was pragmatische Stadtpolitik leisten kann: kreative Lösungen für Alltagsprobleme, ohne neue Flächenversiegelung. Hamburgs Modell könnte bald bundesweit Schule machen.