Article – Die Wahlkampagne des Nürnberger OB-Kandidaten Nasser Ahmed sorgt derzeit für heftige Diskussionen in der fränkischen Metropole. Mit dem provokanten Slogan «Mein N-Wort ist Nürnberg» tritt der SPD-Politiker auf seinen Plakaten auf und löst damit gemischte Reaktionen aus. Ahmed, selbst mit Migrationshintergrund, will mit der Kampagne auf Alltagsrassismus aufmerksam machen und gleichzeitig seine tiefe Verbundenheit zur Stadt ausdrücken.
«Ich wollte etwas wagen, das zum Nachdenken anregt und gleichzeitig zeigt, wie sehr ich meine Heimatstadt liebe», erklärt Ahmed im Gespräch. Der 45-Jährige, dessen Eltern aus Ägypten stammen, kennt die subtilen und offenen Formen von Diskriminierung aus eigener Erfahrung. Seine Plakate sollen bewusst irritieren und zum Dialog einladen.
Die Reaktionen fallen erwartungsgemäß gespalten aus. Während Befürworter die Kampagne als mutigen Schritt loben, um über Ausgrenzung zu sprechen, sehen Kritiker eine unnötige Provokation. «Es geht nicht darum, zu provozieren, sondern darum, ein Gespräch zu beginnen», verteidigt Ahmed sein Konzept. In meinen Gesprächen mit Nürnberger Bürgern merke ich, wie sehr das Thema unter den Nägeln brennt – viele haben eine klare Meinung dazu.
Besonders in sozialen Medien wird kontrovers diskutiert. Interessanterweise zeigen die Kommentare genau jene Spaltung, die Ahmed thematisieren will. Eine Gruppe aus antirassistischen Initiativen Nürnbergs unterstützt die Kampagne: «Es ist höchste Zeit, dass wir offen über strukturellen Rassismus sprechen – auch in unserer Stadt.»
Was bleibt, ist die Frage, ob politische Kommunikation solche sensiblen Themen nutzen sollte. Doch vielleicht liegt genau darin Ahmeds Erfolg: Er hat eine Diskussion angestoßen, die weit über Wahlkampfthemen hinausgeht und uns alle zum Nachdenken über Zugehörigkeit und Ausgrenzung zwingt.