Die Innenstadt Dresdens wurde am Wochenende zum Brennpunkt: Hunderte Neonazis marschierten unter dem Motto «Dresden – Das deutsche Schicksal» durch die Stadt, während tausende Gegendemonstranten ein starkes Zeichen gegen Rechtsextremismus setzten. Was als «Trauermarsch» zum Gedenken an die Bombardierung Dresdens 1945 deklariert war, entpuppte sich als Aufmarsch mit eindeutig rechtsextremem Charakter.
Laut Polizeiangaben beteiligten sich rund 800 Rechtsextreme am Marsch, der von massiven Sicherheitsmaßnahmen begleitet wurde. Mehr als 5.000 Gegendemonstranten versuchten mit Sitzblockaden und lautstarkem Protest, den Aufmarsch zu verhindern.
«Die ganze Republik beruht auf Lügen der Geschichte», skandierte ein Redner auf der Neonazi-Kundgebung und verbreitete damit die in der rechtsextremen Szene übliche Relativierung der deutschen Kriegsschuld. Historiker widersprechen dieser Geschichtsverdrehung vehement. Dr. Matthias Neutzner vom Hannah-Arendt-Institut betont: «Die historischen Fakten zur Bombardierung Dresdens sind klar dokumentiert. Die Opferzahlen liegen bei etwa 25.000, nicht bei den von Rechtsextremen behaupteten hundertausenden.»
Besonders bedrückend war für mich das junge Alter vieler Teilnehmer. In meinen fast zwanzig Jahren Berichterstattung über politische Veranstaltungen sehe ich zunehmend jüngere Gesichter bei solchen Aufmärschen – ein alarmierendes Signal für unsere Demokratie.
Die Dresdner Polizei zog trotz einiger Auseinandersetzungen eine verhaltene Bilanz. «Wir haben insgesamt 26 Straftaten registriert, vorwiegend wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte», erklärte Polizeisprecher Thomas Geithner.
Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert appellierte an die Stadtgemeinschaft: «Dresden steht für Frieden und Demokratie. Wir dürfen nicht zulassen, dass das Gedenken an die Opfer des Krieges instrumentalisiert wird.» Die Frage bleibt: Wie kann eine Stadt ihr historisches Gedenken pflegen, ohne gleichzeitig Plattform für geschichtsrevisionistische Propaganda zu werden?