Als ich letzte Woche meinen Einkaufswagen durch den Supermarkt schob, fiel mir auf: Der vertraute Nutri-Score auf vielen Produkten hat sich verändert. Seit Januar 2024 gelten neue, strengere Berechnungsgrundlagen für die farbige Lebensmittel-Ampel, die Verbrauchern seit 2020 bei gesünderen Entscheidungen helfen soll.
Die Überarbeitung war überfällig. Nach vier Jahren Praxiserfahrung zeigte sich, dass einige Lebensmittel trotz hohem Zucker- oder Salzgehalt zu gut bewertet wurden. Besonders auffällig: Frühstückscerealien, die bislang oft mit einem grünen A oder B glänzten, obwohl sie teils bis zu 30 Prozent Zucker enthalten. Unter den neuen Regeln rutschen viele dieser Produkte nun ins orange-rote Spektrum ab.
«Der neue Nutri-Score berücksichtigt wissenschaftliche Erkenntnisse der letzten Jahre und bewertet kritische Nährstoffe wie zugesetzten Zucker deutlich strenger», erklärt Dr. Margarete Büning-Fesel vom Bundesernährungsinstitut. Dieser Schritt war notwendig, denn die WHO empfiehlt, nicht mehr als 50 Gramm freien Zucker täglich zu konsumieren – eine Menge, die viele Deutsche deutlich überschreiten.
Auch bei Getränken gelten jetzt härtere Maßstäbe. Limonaden mit Süßstoffen bekommen keine Bonuspunkte mehr für den fehlenden Zucker. Die Begründung: Studien zeigen, dass auch kalorienfreie Süßungsmittel das Verlangen nach Süßem fördern können. Selbst manche Fruchtsäfte, die früher mit B oder C bewertet wurden, fallen nun ins D- oder E-Segment.
Interessant ist auch die Neubewertung von Olivenöl und anderen gesunden Fetten. Diese wurden bisher wegen ihres hohen Kaloriengehalts oft schlecht eingestuft, obwohl sie wichtige ungesättigte Fettsäuren liefern. Hier hat man nachgebessert – Olivenöl verbessert sich von C auf B.
Die Umstellung erfolgt schrittweise. Hersteller haben noch bis Ende 2024 Zeit, ihre Verpackungen anzupassen. Für uns Verbraucher bedeutet das: Wir müssen in der Übergangszeit genau hinschauen, welche Version des Scores verwendet wird. Auf der Produktrückseite steht in kleiner Schrift, ob bereits die neue Berechnung angewandt wurde.
Eine Frage bleibt: Wird die strengere Bewertung Hersteller dazu bringen, ihre Rezepturen zu verbessern? Ich bleibe skeptisch, aber hoffnungsvoll. Schließlich zeigen Erfahrungen aus Frankreich, dass einige Unternehmen tatsächlich den Zucker- und Salzgehalt reduzieren, um bessere Bewertungen zu erhalten.