Article – Die grauen Fahrräder verschwinden von Berlins Straßen. Nextbike, der größte Anbieter von Leihfahrrädern in der Hauptstadt, muss nach einer Gerichtsentscheidung seine rund 6.500 Räder einsammeln. Das Verwaltungsgericht Berlin gab einer Klage des Konkurrenten Tier Mobility statt. Innerhalb von drei Wochen müssen die Fahrräder nun von den Straßen verschwinden – ein schwerer Schlag für den öffentlichen Nahverkehr in Berlin.
Seit 2019 betreibt Nextbike den Verleih als «Jelbi»-Partner der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Doch nach der Fusion mit dem Anbieter Call a Bike der Deutschen Bahn im Jahr 2021 hätte ein neuer Betreibervertrag ausgeschrieben werden müssen, entschied das Gericht. «Die rechtlichen Grundlagen haben sich durch den Zusammenschluss grundlegend verändert», erklärte der zuständige Richter in der Urteilsbegründung.
Für die Berliner bedeutet das eine spürbare Lücke im Mobilitätsangebot. «Unsere Nutzerzahlen sind besonders in den Außenbezirken stark gestiegen», berichtet Nextbike-Sprecherin Mareike Rauchhaus. Fast 5.000 Fahrten werden täglich mit den grauen Rädern in Berlin unternommen.
Die BVG will nun gegen das Urteil vorgehen. «Wir prüfen alle rechtlichen Möglichkeiten, um das Angebot aufrechtzuerhalten», versichert BVG-Vorstand Henrik Falk. Parallel bereitet man eine neue Ausschreibung vor. Mehr Informationen dazu sollen in den kommenden Tagen folgen.
Als ich gestern durch Kreuzberg fuhr, standen die grauen Nextbikes noch an vielen Ecken – doch bald werden sie fehlen. Zwischen U-Bahn und Ziel klafft dann eine Lücke, die viele Berliner schmerzlich spüren werden.
Was bedeutet das für die Zukunft der Mikromobilität in deutschen Großstädten? Der Fall zeigt, wie fragil das neue Ökosystem der Sharing-Dienste noch ist. Während in Hamburg ähnliche Angebote reibungslos funktionieren, stolpert Berlin über juristische Hürden. Die Frage bleibt: Wer profitiert wirklich von diesem Urteil – die Berliner sicher nicht.