In Hamburg trafen sich gestern Vertreter von neun Anrainerstaaten zum ersten deutschen Nordsee-Gipfel. Bundeskanzler Olaf Scholz betonte die Bedeutung der Zusammenarbeit: «Wir wollen bis 2050 die Kapazitäten der Offshore-Windkraft auf 300 Gigawatt ausbauen.» Derzeit stehen in der Nordsee Anlagen mit rund 30 Gigawatt Leistung.
Die Nordsee soll zum Energie-Powerhouse Europas werden. Das ist nicht nur ein Traum von Klimaschützern, sondern konkrete Politik. Die Staaten einigten sich auf gemeinsame Standards beim Ausbau der Windkraft und planen grenzüberschreitende Infrastruktur für den Stromtransport. «Mit vereinten Kräften können wir schneller vorankommen als alleine», sagte die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen.
Ich beobachte solche Gipfel seit Jahren, aber selten war die Stimmung so pragmatisch. Die Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hat die Dringlichkeit erhöht. In den Kaffeepausen sprachen Minister nicht über abstrakte Ziele, sondern über konkrete Projekte zur Speicherung von grünem Wasserstoff und neue Seekabel.
Besonders bemerkenswert: Auch der britische Premierminister Keir Starmer reiste an – trotz Brexit sucht London die Nähe zu Europa in Energiefragen. «Die Nordsee verbindet uns mehr, als dass sie uns trennt», sagte er in seiner Rede.
Ob die ambitionierten Pläne Realität werden, hängt von Investitionen in Milliardenhöhe ab. Umweltschützer vor dem Konferenzzentrum mahnten zudem an, den Naturschutz nicht zu vergessen. Die Nordsee ist nicht nur Energielieferant, sondern auch ein sensibles Ökosystem. Die Politik muss hier die richtige Balance finden – eine Aufgabe, die weit über das Hamburger Gipfeltreffen hinausreicht.