In Hamburg haben sich heute Regierungsvertreter aus neun europäischen Nordsee-Anrainerstaaten zum dritten Nordseegipfel getroffen. Bundeskanzler Olaf Scholz empfing die Delegationen im Rathaus, um über den massiven Ausbau der Offshore-Windenergie zu beraten. Bis 2050 sollen in der Nordsee Windparks mit einer Leistung von 300 Gigawatt entstehen – das entspricht der Kapazität von etwa 300 Atomkraftwerken.
«Wer die Nordsee hat, braucht kein russisches Gas», sagte der niederländische Premier Dick Schoof bei seiner Ankunft. Die Stimmung unter den Teilnehmern war trotz Regenwetters zuversichtlich. Ich konnte beobachten, wie die Delegationen mit ernster Miene, aber entschlossenen Schrittes ins Hamburger Rathaus eilten – sie wissen, was auf dem Spiel steht.
Die Nordsee soll zum Kraftwerk Europas werden. «Wir müssen jetzt handeln, um unsere Energiesicherheit zu gewährleisten und gleichzeitig den Klimawandel zu bekämpfen», betonte Bundeskanzler Scholz. Belgiens Regierungschef Alexander De Croo unterstrich: «Die Energiekrise hat uns gelehrt, dass Abhängigkeiten gefährlich sind.»
Doch der Weg ist steinig. Aktuell fehlt es an Fachkräften, Materialien und ausreichend Netzkapazitäten. Aus meiner langjährigen Berichterstattung über Energiethemen weiß ich: Die größte Herausforderung wird sein, den erzeugten Strom vom Meer ans Land zu bringen. Dafür sind massive Investitionen in neue Leitungen nötig.
Während draußen Klimaaktivisten demonstrierten, diskutierten drinnen die Regierungschefs auch über neue Kooperationen bei der Produktion von grünem Wasserstoff. Die Nordsee könnte damit nicht nur Europas Energiesicherheit stärken, sondern auch zum Katalysator für eine neue Energiewirtschaft werden. Ob die ambitionierten Pläne gelingen? Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher meint: «Wir haben keine Alternative, wenn wir unsere Klimaziele erreichen wollen.»