Die Odeg-Bahn in Berlin hat auf die zunehmende Überlastung des Schienennetzes mit drastischen Maßnahmen reagiert. Seit dem 2. September fallen täglich 28 Zugverbindungen zwischen Berlin und Frankfurt (Oder) ersatzlos aus. Betroffen sind ausgerechnet Verbindungen in den morgendlichen und nachmittäglichen Stoßzeiten, wenn besonders viele Menschen zur Arbeit oder nach Hause pendeln. Laut Fahrgastverband Pro Bahn sind derzeit rund 25 Prozent aller Zugverbindungen in der Region unzuverlässig.
Die Probleme haben strukturelle Ursachen. «Die Infrastruktur ist einfach am Limit», erklärt Odeg-Geschäftsführer Lars Gehrke. Verspätungen anderer Züge, technische Störungen und Baustellen führen zu einem Dominoeffekt im engen Fahrplantakt. Wenn ein ICE Verspätung hat, müssen Regionalzüge oft warten, wodurch sich Verspätungen über den ganzen Tag fortpflanzen.
In meinen zwanzig Jahren als Bahnberichterstatterin habe ich selten so radikale Einschnitte erlebt. Besonders bitter: Die Odeg hat erst vor einem Jahr neue Triebwagen angeschafft, die nun teilweise ungenutzt bleiben.
Der Fahrgastverband fordert mehr Investitionen in die Infrastruktur und eine bessere Koordination zwischen den Bahnunternehmen. «Dieser Zustand ist unhaltbar für eine Hauptstadtregion», sagt Alexander Kaczmarek vom Fahrgastverband. Pendler müssen sich vorerst auf längere Reisezeiten und vollere Züge einstellen. Die Odeg verspricht zumindest, bis zum Jahresende einen stabileren Fahrplan zu entwickeln.
Was bedeutet es für eine Metropolregion, wenn das Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs derart unter Druck gerät? Berlin steht vor der Frage, ob die jahrelange Vernachlässigung der Bahninfrastruktur noch rechtzeitig korrigiert werden kann.