Die Wogen schlagen hoch im Sprachstreit um Gendern in Thüringer Kommunen. Nach langen Debatten hat der Stadtrat von Gera gestern ein Verbot der Gendersprache in der Verwaltung beschlossen. Mit 22 zu 13 Stimmen wurde die umstrittene Regelung durchgesetzt, die künftig Sternchen, Unterstriche und andere Sonderzeichen aus amtlichen Dokumenten verbannt.
Gerda Weißenberg, Sprachwissenschaftlerin an der Universität Jena, äußert Bedenken: «Sprache entwickelt sich im gesellschaftlichen Diskurs, nicht durch Verbote. Wir sehen hier eine politisch motivierte Entscheidung, die die Sprachfreiheit einschränkt.»
Die Stadt Gera ist nicht allein. In Thüringen haben bereits fünf Kommunen ähnliche Regelungen eingeführt – ein Trend, der bundesweit zu beobachten ist. Besonders die AfD und CDU unterstützen solche Verbote, während Linke, SPD und Grüne dagegen stimmen.
Als ich gestern im Stadtrat saß, war die Stimmung aufgeheizt. Bürger mit «Gendern? Nein danke!»-Plakaten standen Aktivisten mit Regenbogenfahnen gegenüber. Kaum ein Thema polarisiert derzeit so stark in Ostthüringen.
Für Robert Krause, Leiter der Verwaltung, geht es um Praktikabilität: «Wir wollen verständliche Texte für alle Bürger, nicht nur für akademische Kreise.» Die neue Verordnung verlangt die Verwendung des generischen Maskulinums oder Paarformen wie «Bürgerinnen und Bürger».
Die Entscheidung fällt in eine Zeit, in der Thüringen vor wichtigen Landtagswahlen steht. Ob das Verbot vor Gericht Bestand haben wird, bleibt abzuwarten. Die Debatte um unsere Sprache jedenfalls ist längst mehr als eine Frage der Grammatik – sie ist zum Gradmesser gesellschaftlicher Gräben geworden.