Die Personalnot im öffentlichen Nahverkehr in Hamburg scheint vorerst gebannt. Der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) und seine Partnerunternehmen melden eine überraschend stabile Personalsituation. «Wir haben die Talsohle durchschritten», erklärt HVV-Geschäftsführerin Anna Weber bei einer Pressekonferenz am Mittwoch.
Noch vor zwei Jahren fehlten allein bei der Hochbahn über 200 Busfahrer und Bahnangestellte. Die Folge waren Ausfälle, verkürzte Linien und verärgerte Fahrgäste. Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt steht Hamburg jetzt deutlich besser da – bundesweit fehlen laut Verband Deutscher Verkehrsunternehmen noch immer rund 40.000 Fachkräfte.
Die Kehrtwende gelang durch attraktivere Arbeitsbedingungen. «Wir haben die Einstiegsgehälter um durchschnittlich 14 Prozent angehoben und flexible Arbeitszeitmodelle eingeführt», sagt Hochbahn-Personalvorständin Claudia Schmidt. Zudem werden Quereinsteiger intensiver umworben und schneller ausgebildet. Ein Busführerschein wird komplett bezahlt – das sind immerhin 12.000 Euro.
Bei den S-Bahnen zeigt sich ein ähnliches Bild. Betriebsleiter Michael Westhagemann berichtet von 95 Neueinstellungen seit Januar: «Wir können jetzt alle geplanten Verbindungen zuverlässig bedienen.»
Was mich bei meinen Recherchen besonders beeindruckt hat: Die Verkehrsbetriebe setzen verstärkt auf Vielfalt. Fast ein Drittel der Neueinstellungen sind Frauen oder Menschen mit Migrationshintergrund. Eine Busfahrerin erzählte mir: «Früher war ich die Exotin, heute sind wir selbstverständlich.«
Die positive Entwicklung wirkt sich direkt auf die Fahrgäste aus. Laut HVV-Statistik sind Zugausfälle um 62 Prozent zurückgegangen. Doch die Herausforderungen bleiben. Ab 2027 werden verstärkt Mitarbeiter in Rente gehen, und die Konkurrenz um Fachkräfte nimmt zu. Hamburg muss also weiter am Ball bleiben, damit Busse und Bahnen auch in Zukunft zuverlässig fahren.