In Baden-Württemberg erlebten tausende Menschen gestern Abend ein seltenes Naturschauspiel: Polarlichter färbten den Nachthimmel in leuchtenden Grün- und Rottönen. Besonders eindrucksvoll war das Phänomen auf der Schwäbischen Alb und im Schwarzwald zu sehen. Laut Deutschem Wetterdienst wurde die Aktivität durch einen ungewöhnlich starken Sonnensturm ausgelöst, der vor drei Tagen die Erde erreichte.
«Es war atemberaubend«, berichtet Hobby-Astronom Michael Weber aus Tübingen. «Selbst hier, wo wir sonst mit Lichtverschmutzung kämpfen, waren die Lichter deutlich zu erkennen.» Das Phänomen begann gegen 21:30 Uhr und dauerte fast drei Stunden an. In sozialen Netzwerken teilten Menschen aus dem ganzen Land ihre Eindrücke und Fotos.
Die Stuttgarter Sternwarte verzeichnete einen Besucheransturm. Dr. Claudia Reinhardt, Leiterin der Einrichtung, erklärt: «Solch intensive Polarlichter sind in unseren Breitengraden äußerst selten. Der letzte vergleichbare Fall liegt über 20 Jahre zurück.»
Ich erinnere mich noch gut an die Polarlichter von 2003, als ich für die Badische Zeitung arbeitete. Damals standen die Menschen stundenlang draußen, manche weinten vor Ergriffenheit. Gestern war die Stimmung ähnlich feierlich.
Wissenschaftler erwarten, dass mit dem aktuellen Sonnenzyklus die Chancen auf weitere Polarlichter in Süddeutschland in den kommenden Monaten steigen könnten. «Die zunehmende Sonnenaktivität könnte uns noch die eine oder andere Überraschung bescheren», meint Reinhardt.
Für viele Kinder war es das erste Mal, dass sie dieses Naturwunder erleben durften. Da fragt man sich unwillkürlich: Was bleibt vom gestrigen Abend? Vielleicht mehr als nur schöne Bilder – nämlich die Erinnerung daran, wie wir alle gemeinsam staunend in den Himmel schauten.