Die Nächte leuchteten über Bayern: Selten gezeigte Polarlichter verzauberten Tausende, die bis in die frühen Morgenstunden ausharrten. „Es war ein magischer Moment,» erzählt die Münchnerin Sandra Weber (32), die bis 3 Uhr morgens auf der Wiesn-Tribüne fotografierte. Der Grund für das Spektakel: Ein heftiger Sonnensturm traf am Freitag auf das Erdmagnetfeld – und machte selbst in Süddeutschland die typisch nordischen Aurora Borealis sichtbar.
In sozialen Medien überschlugen sich die Meldungen. Von der Zugspitze bis zum Englischen Garten teilten Menschen ihre Eindrücke des Himmelsschauspiels. Violett, Grün und Rosa – die Farben tanzten über dem Nachthimmel und lockten selbst Nicht-Sternengucker nach draußen.
„Solche starken geomagnetischen Stürme erleben wir vielleicht dreimal in einem Sonnenzyklus von elf Jahren,» erklärt Dr. Markus Roth vom Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik. Die aktuelle Sonnenaktivität befindet sich nahe ihrem Maximum, was die Wahrscheinlichkeit für solche Erscheinungen erhöht.
Was mich besonders beeindruckt: Selbst in der lichtverschmutzten Innenstadt Münchens waren die Polarlichter zu sehen. Als ich vor Jahren in Nordschweden über Polarlichter berichtete, galt als Faustregel: In Städten keine Chance. Diese Regel wurde jetzt gebrochen.
Wissenschaftler erwarten noch bis Sonntagabend weitere mögliche Sichtungen. Die Chancen stehen gut, dass Bayern erneut in den Genuss kommt. Wer das Naturschauspiel erleben will, sollte nach Norden blicken und einen dunklen Ort ohne Lichtverschmutzung suchen. Und vielleicht lohnt es sich, die Kamera bereitzuhalten – diese Erinnerung gibt’s nicht alle Tage.