In Düsseldorf veröffentlicht die Universität heute eine umfassende Studie zum politischen Interesse von Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen. Die Ergebnisse sind alarmierend: Nur etwa ein Drittel der 14- bis 18-Jährigen zeigt überhaupt Interesse an politischen Themen. Dies ist der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebungen vor zwölf Jahren.
Besonders auffällig ist die wachsende Kluft zwischen verschiedenen Bildungsschichten. Während an Gymnasien noch 48 Prozent der Schülerinnen und Schüler angeben, regelmäßig Nachrichten zu verfolgen, sind es an Hauptschulen nur 19 Prozent. «Wir sehen eine zunehmende Polarisierung«, erklärt Bildungsforscherin Dr. Melanie Weber. «Jugendliche aus bildungsfernen Familien fühlen sich von der Politik oft nicht repräsentiert.»
Dabei zeigt die Studie auch einen interessanten Trend: Themen wie Klimawandel, Digitalisierung und soziale Gerechtigkeit wecken durchaus das Interesse der Jugendlichen. Sie werden jedoch nicht als «Politik» wahrgenommen. Als ich vor zwei Jahren in einer Gesamtschule in Köln recherchierte, wurde mir das besonders deutlich. Eine Schülerin sagte damals: «Ich habe null Bock auf Politik, aber natürlich will ich, dass was gegen den Klimawandel getan wird.»
Die sozialen Medien spielen eine zwiespältige Rolle. Einerseits dienen sie als Informationsquelle für 72 Prozent der Befragten, andererseits fördern Algorithmen oft Filterblasen und verkürzte Darstellungen komplexer Sachverhalte.
Was bedeuten diese Ergebnisse für unsere Demokratie? NRW-Bildungsministerin Katharina Schneider kündigt ein Aktionsprogramm an: «Wir müssen politische Bildung neu denken.» Die Frage bleibt: Wie erreichen wir eine Generation, die sich von traditioneller Politik abwendet, aber durchaus bereit ist, für ihre Zukunft auf die Straße zu gehen?