Bei der Berliner Polizei wächst die Sorge: Immer mehr Bewerberinnen und Bewerber scheitern an mangelhaften Deutschkenntnissen. Jeder Vierte bringt nicht die sprachlichen Grundvoraussetzungen mit, um den Polizeidienst anzutreten. Eine alarmierende Entwicklung für die Sicherheitsbehörde, die jährlich rund 1.200 neue Anwärter einstellen muss, um die Altersabgänge zu kompensieren.
«Die Bewerberinnen und Bewerber haben oft Schwierigkeiten, fehlerfreie Texte zu verfassen oder komplexere Sachverhalte zu verstehen», erklärt Polizeisprecher Martin Halweg. Das Problem betrifft nicht nur Menschen mit Migrationshintergrund, sondern zunehmend auch Bewerber mit deutscher Muttersprache. In meinen Gesprächen mit Ausbildern höre ich immer wieder den gleichen Seufzer: «Früher konnten die jungen Leute wenigstens noch einen Bericht schreiben.«
Die Ursachen sind vielschichtig. Bildungsexperten verweisen auf die zunehmende Digitalisierung des Alltags und verkürzte Kommunikationsformen in sozialen Medien. Gleichzeitig kämpfen Schulen mit Lehrkräftemangel und heterogenen Klassenverbänden. Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) hat nun reagiert: «Wir werden die Sprachförderung verstärken, aber bei den Einstellungskriterien keine Abstriche machen.«
Für die Polizeiakademie bedeutet das einen Balanceakt. Einerseits braucht Berlin dringend Nachwuchs für die Sicherheitsbehörden, andererseits sind gute Sprachkenntnisse für den Polizeialltag unerlässlich – ob beim Verfassen von Berichten, der Zeugenvernehmung oder der Kommunikation mit Bürgerinnen und Bürgern in Konfliktsituationen.
Nachdem ich in der vergangenen Woche eine Polizeiwache in Neukölln besucht habe, wurde mir die Tragweite des Problems erst richtig bewusst. Polizeiarbeit ist zu großen Teilen Kommunikationsarbeit. Wer wird künftig diese anspruchsvolle Aufgabe übernehmen? Die Zukunft unserer Sicherheit hängt nicht zuletzt davon ab.