Die Situation in Bochum-Leithe eskalierte gestern Abend, als Polizeibeamte einen 28-jährigen Mann bei einem Einsatz durch Schüsse verletzten. Der Vorfall ereignete sich gegen 22:30 Uhr in einem Mehrfamilienhaus an der Kreyenfeldstraße, nachdem Nachbarn wegen einer lautstarken Auseinandersetzung den Notruf gewählt hatten. Die Polizei bestätigte, dass der Verletzte mit Schnittwunden ins Krankenhaus gebracht wurde.
«Als wir eintrafen, hat der Mann auf Ansprache sofort aggressiv reagiert und ein Messer gezogen», erklärte Einsatzleiter Michael Wernke. Die Beamten hätten zunächst versucht, die Situation durch Ansprache zu entschärfen. Als der Mann trotz mehrfacher Aufforderung mit erhobenem Messer auf die Polizisten zuging, fielen zwei Schüsse.
Nachbarin Gisela Müller (64) erlebte den Einsatz hautnah mit: «Erst hörten wir lautes Geschrei, dann plötzlich Schüsse. Es war furchtbar.» Die Polizei räumte vorsorglich angrenzende Wohnungen. Der Bereich wurde weiträumig abgesperrt.
Laut Staatsanwaltschaft lag gegen den Mann bereits ein Haftbefehl wegen Körperverletzung vor. In seiner Wohnung fanden die Ermittler neben dem Messer auch Drogen.
Ich habe in meinen fast zwanzig Jahren als Reporterin selten eine so angespannte Stimmung im Nachgang eines Polizeieinsatzes erlebt wie heute Morgen in Leithe. Viele Anwohner zeigten sich erschüttert, andere kritisierten das Vorgehen der Beamten als überzogen.
Das Landeskriminalamt hat, wie bei Schusswaffengebrauch üblich, die Ermittlungen übernommen. Die Diskussion über angemessene Polizeigewalt wird durch diesen Vorfall neu entfacht. Bochums Polizeipräsidentin Martina Wendland kündigte für morgen eine Pressekonferenz an. Die zentrale Frage bleibt: Hätte die Situation auch ohne Schusswaffeneinsatz gelöst werden können?