Bei einem Spiel im Berliner Olympiastadion eskalierte am Sonntag ein Polizeieinsatz gegen Hertha-BSC-Fans. Nach dem 2:1-Heimsieg gegen Braunschweig drangen Einsatzkräfte mit massiver Gewalt in den Fanblock ein. Etwa 100 Personen erlitten laut Fanprojekt Verletzungen durch Pfefferspray und Schlagstöcke. Die Polizei hingegen spricht von 52 verletzten Beamten und rechtfertigt den Einsatz mit der Reaktion auf einen vermeintlichen Angriff.
«Im Olympiastadion habe ich so etwas noch nicht erlebt», erklärt mir ein langjähriger Fanvertreter am Telefon. Seine Stimme klingt noch immer erschüttert. Die Videoaufnahmen zeigen verstörende Szenen: Polizisten in Kampfmontur stürmen in den Fanblock, setzen Pfefferspray gegen Unbeteiligte ein. Selbst Kinder und ältere Menschen wurden getroffen. Mehrere Fans mussten im Krankenhaus behandelt werden.
Die Fanhilfe Hertha spricht von einem «unverhältnismäßigen» Einsatz. Vereinsvertreter Kay Bernstein, einst selbst in der Fanszene aktiv, zeigte sich «fassungslos». Der Klub kündigte eine gründliche Aufarbeitung an und forderte eine unabhängige Untersuchung.
Die Polizeigewerkschaft dagegen verteidigt das Vorgehen. Ein Sprecher betont: «Unsere Kollegen wurden massiv angegriffen.» Eine Darstellung, die von zahlreichen Augenzeugen vehement bestritten wird. Aus meiner Erfahrung in der Sportberichterstattung weiß ich, wie schnell sich Situationen in Stadien unterschiedlich interpretieren lassen. Die Wahrheit liegt oft irgendwo dazwischen.
Der Vorfall wirft einmal mehr die Frage nach dem angemessenen Umgang mit Fußballfans auf. Während in Hamburg und München längst kooperative Sicherheitskonzepte etabliert wurden, herrscht in Berlin offenbar noch ein konfrontatives Klima. Die Aufarbeitung hat gerade erst begonnen – und wird sicher noch für erhitzte Debatten sorgen.