Als ich gestern durch die Innenstadt von Saarbrücken ging, konnte ich sie schon von weitem hören: Rund 2.500 Menschen zogen mit Fahnen und Sprechchören durch die Straßen. Sie demonstrierten für die Freilassung des inhaftierten PKK-Führers Abdullah Öcalan und gegen das Verbot der kurdischen Arbeiterpartei PKK in Deutschland. Die Polizei begleitete den Protestzug mit einem Großaufgebot, doch die Stimmung blieb weitgehend friedlich.
«Freiheit für Öcalan» und «Wir sind alle PKK» – diese Parolen hallten durch die Stadt. Trotz des PKK-Verbots in Deutschland nahmen viele Demonstranten keine Rücksicht auf mögliche rechtliche Konsequenzen. Die PKK gilt hierzulande seit 1993 als terroristische Organisation, in der Türkei wird sie für zahlreiche Anschläge verantwortlich gemacht.
«Diese Demonstration ist ein wichtiges Zeichen der Solidarität mit dem kurdischen Volk«, erklärte mir Ayse K., eine der Teilnehmerinnen. «Wir kämpfen für unsere Rechte und Anerkennung.» Was mich besonders beeindruckte: Die Teilnehmer kamen aus dem gesamten Bundesgebiet und sogar aus Frankreich und Luxemburg angereist.
Immer wieder beobachte ich bei solchen Veranstaltungen, wie tief die Verbundenheit vieler Kurden mit ihrer Heimat und ihrem Kampf für Selbstbestimmung ist – auch wenn sie seit Jahrzehnten in Deutschland leben. Die deutschen Behörden stehen dabei im Spannungsfeld zwischen Demonstrationsfreiheit und dem Durchsetzen des PKK-Verbots.
Was bleibt von diesem Tag? Für die kurdische Community ein starkes Gefühl der Gemeinschaft. Für die Sicherheitsbehörden die Herausforderung, mit solchen Protesten umzugehen. Und für uns alle die Frage: Wie viel politische Toleranz verträgt unsere Gesellschaft, wenn es um Organisationen geht, die in Deutschland verboten sind?