Die Proteste rund um das geplante Suchthilfezentrum in Düsseldorf-Flingern nehmen an Intensität zu. Was vor Monaten als besorgte Elterninitiative begann, hat sich zu einem erbitterten Konflikt entwickelt. Während gestern etwa 200 Anwohner vor dem Gebäude an der Fichtenstraße demonstrierten, eskalierte die Situation, als mehrere Protestierende Zufahrtswege blockierten. Nach aktuellen Zahlen der Stadt sollen hier künftig täglich bis zu 300 Suchtkranke versorgt werden.
Die Fronten verhärten sich zunehmend. Befürworter betonen die Notwendigkeit einer zentralen Anlaufstelle für Menschen mit Suchterkrankungen. «Wir können diese Menschen nicht einfach ignorieren. Sie brauchen professionelle Hilfe an einem geeigneten Standort«, erklärt Sozialdezernent Philipp Klein. Eltern hingegen fürchten um die Sicherheit ihrer Kinder, da sich in unmittelbarer Nähe zwei Grundschulen und mehrere Kitas befinden.
Als ich gestern mit besorgten Müttern sprach, wurde die Verzweiflung greifbar. «Wir sind keine herzlosen Menschen», betonte eine Anwohnerin mit Tränen in den Augen, «aber müssen wir wirklich zwischen Kinderschutz und Hilfe für Suchtkranke wählen?» Diese Frage beschäftigt mich seit meiner Berichterstattung über ähnliche Konflikte in Hamburg vor einigen Jahren.
Bemerkenswert ist die wachsende Unterstützung für die Protestbewegung. Während die Stadt auf ihrem Standort beharrt, formiert sich parteiübergreifender Widerstand. Selbst lokale Unternehmer, die anfangs neutral blieben, schließen sich inzwischen den Protesten an. Eine für nächste Woche geplante Bürgerversammlung wurde bereits auf einen größeren Veranstaltungsort verlegt.
Wie dieser Konflikt ausgeht, bleibt offen. Klar ist nur: Beide Seiten brauchen mehr als Kompromissformeln. Was Düsseldorf hier erlebt, spiegelt ein gesellschaftliches Grunddilemma wider – den Kampf zwischen verschiedenen Formen der Fürsorge, die beide ihre Berechtigung haben.