Seit heute Morgen steht ein 30-jähriger Mann vor dem Kammergericht Berlin, dem vorgeworfen wird, aktives Mitglied der Hisbollah-Miliz zu sein. Ahmad Z., libanesischer Staatsangehöriger mit Wohnsitz in Berlin-Neukölln, soll seit mindestens 2017 in Deutschland Spenden für die vom Bundesinnenministerium im April 2020 verbotene Organisation gesammelt haben. Die Bundesanwaltschaft beschreibt die Hisbollah als terroristische Vereinigung im Ausland, die das Existenzrecht Israels grundsätzlich ablehnt.
In der stickigen Luft des Gerichtssaals verfolge ich, wie die Staatsanwaltschaft die Anklagepunkte vorträgt. Der Angeklagte soll gezielt Gelder akquiriert und in mindestens drei Fällen größere Summen an Hisbollah-Strukturen im Libanon transferiert haben. «Die gesammelten Beweise deuten auf eine systematische Unterstützung hin», erklärt Oberstaatsanwalt Michael Grunwald.
Bemerkenswert ist die Ruhe des Angeklagten, der durch seinen Verteidiger mitteilen ließ, zu den Vorwürfen schweigen zu wollen. In meinen fast zwanzig Jahren als Reporterin habe ich viele solcher Prozesse beobachtet, aber die Spannung zwischen staatlicher Sicherheit und den komplexen Loyalitäten in Diaspora-Gemeinschaften bleibt besonders herausfordernd.
Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes leben etwa 1.050 Personen mit Hisbollah-Bezug in Deutschland. «Die Bedrohungslage durch islamistischen Terrorismus bleibt angespannt», betont Berlins Innensenatorin Iris Spranger am Rande des Verfahrens.
Der Prozess wirft ein Schlaglicht auf die verborgenen Netzwerke internationaler Organisationen in deutschen Großstädten. Wie viel wissen wir wirklich über die Geldströme, die mitten unter uns fließen? Das Gericht hat vorerst zwölf Verhandlungstage angesetzt – dem Angeklagten drohen bei Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft.