Als ich diese Woche durch Düsseldorf spazierte, fielen mir die vielen Plakate für offene Stellen auf. In München würden für dieselben Jobs deutlich höhere Gehälter geboten. Die regionalen Unterschiede bei Löhnen und Gehältern in Deutschland sind massiv: In Hamburg verdient man durchschnittlich 49.920 Euro brutto im Jahr, in Mecklenburg-Vorpommern nur 34.560 Euro – eine Differenz von über 15.000 Euro.
Die Schere öffnet sich weiter. «Besonders problematisch ist das Stadt-Land-Gefälle», erklärt Arbeitsmarktexperte Prof. Carsten Schmidt von der Universität Köln. «Während Großstädte boomen, haben ländliche Regionen in Ostdeutschland Schwierigkeiten, qualifizierte Arbeitskräfte zu halten.» Ein Phänomen, das ich seit der Finanzkrise 2008 beobachte.
Die Branchen machen den Unterschied: In Bayern und Baden-Württemberg dominieren gut zahlende Industrieunternehmen, im Osten hingegen kleinere Betriebe mit niedrigeren Löhnen. Bemerkenswert: Frankfurt am Main sticht mit Spitzengehältern im Finanzsektor hervor – meine Heimatstadt bleibt ein Magnet für Banker.
Eine persönliche Begegnung letzte Woche zeigt die menschliche Dimension: Ein Ingenieur erzählte mir, er pendelt täglich 90 Minuten nach München, weil er dort 30% mehr verdient als in seiner Heimatregion. «Umziehen kann ich mir in der Stadt nicht leisten», sagte er kopfschüttelnd.
Für die deutsche Wirtschaft bedeuten diese Unterschiede eine Herausforderung. Strukturschwache Regionen verlieren weiter an Boden. Der demografische Wandel könnte allerdings zu einer Trendwende führen – Fachkräftemangel zwingt Arbeitgeber überall zu höheren Löhnen.
Die Frage, die bleibt: Ist uns als Gesellschaft bewusst, welchen Preis wir für diese Ungleichheit zahlen? Nicht nur finanziell, sondern auch sozial. Denn wo man arbeitet, entscheidet zunehmend über Wohlstand und Lebensqualität.