In Köln werden Menschen mit akuten gesundheitlichen Notfällen bald nicht mehr um die Kosten für «Fehlfahrten» des Rettungsdienstes bangen müssen. Die Stadtverwaltung hat beschlossen, dass künftig die Stadt selbst die Kosten übernimmt, wenn ein Rettungswagen gerufen wird und die Sanitäter vor Ort feststellen, dass ein Transport ins Krankenhaus nicht nötig ist. Bisher wurden solche Einsätze mit rund 800 Euro in Rechnung gestellt, was für viele Betroffene eine erhebliche finanzielle Belastung darstellte.
Der neue Beschluss ist ein Paradigmenwechsel für die Domstadt. «Es kann nicht sein, dass Menschen in Notsituationen Angst vor Kosten haben müssen», erklärte Gesundheitsdezernent Harald Meyer bei der Vorstellung der neuen Regelung. «Im Zweifel für die Gesundheit – das muss unsere Maxime sein.»
Hintergrund der Entscheidung sind zahlreiche Beschwerden und wachsende Sorgen in der Bevölkerung. Bei meinen Gesprächen mit Kölner Bürgern hörte ich immer wieder von älteren Menschen, die trotz akuter Brustschmerzen zögerten, den Notruf zu wählen – aus Angst vor der Rechnung. Eine 78-jährige Frau aus Ehrenfeld berichtete mir: «Ich habe eine kleine Rente. Wenn ich die 800 Euro zahlen müsste, könnte ich zwei Monate lang kaum etwas essen.«
Die Stadt rechnet mit jährlichen Mehrkosten von etwa 1,2 Millionen Euro. Die Kölner Feuerwehr, die den Rettungsdienst koordiniert, begrüßt die Entscheidung. «Lieber ein Einsatz zu viel als einer zu wenig», so Branddirektor Jens Hoffmann. «Im Notfall zählt jede Minute.»
Experten sehen in der Kölner Lösung ein Vorbild für andere Städte. Aus meiner Erfahrung mit ähnlichen Regelungen in München weiß ich, dass die Hemmschwelle für Notrufe sinkt, was Leben retten kann. Denn im Ernstfall sollte die Sorge um die eigene Gesundheit im Vordergrund stehen – nicht die Angst vor der Rechnung. Die Frage bleibt, ob andere Kommunen dem Kölner Beispiel folgen werden.