An diesem grauen Januarmorgen pilgern Tausende zum Friedhof der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde. Mit roten Nelken in der Hand erinnern sie an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, die vor 105 Jahren ermordet wurden. Nach Polizeiangaben versammelten sich rund 3.000 Menschen – vom Rentner mit DDR-Nostalgie bis zur jungen Antifa-Aktivistin.
Luxemburg und Liebknecht, Gründer der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), wurden am 15. Januar 1919 von rechtsgerichteten Freikorps-Soldaten in Berlin erschossen. Ein politischer Mord, der die junge Weimarer Republik erschütterte und bis heute nachwirkt.
Die traditionelle Gedenkveranstaltung blieb laut Polizei weitgehend friedlich. Unter den Teilnehmern war auch Gregor Gysi, der betonte: «Ihre Ideen von sozialer Gerechtigkeit sind heute aktueller denn je.»
Als ich durch die Menge ging, fiel mir auf, wie unterschiedlich die Besucher waren. Ein alter Mann erzählte mir mit feuchten Augen, wie er schon zu DDR-Zeiten an dieser Stelle stand – damals noch im offiziellen Staatsakt. Eine Studentin daneben trug einen Anstecker mit Luxemburgs berühmtem Zitat «Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden».
Die Veranstaltung zeigt die gespaltene Erinnerungskultur in Berlin. Während manche die revolutionären Ideen hochhalten, sehen andere kritisch auf die kommunistische Bewegung. Eine junge Frau mit tätowierten Armen sagte mir: «Ich komme jedes Jahr hierher, obwohl ich ihre Politik nicht in allem teile. Aber ihr Mut verdient Respekt.»
In Zeiten wachsender sozialer Ungleichheit und politischer Polarisierung scheinen Luxemburgs Gedanken für viele wieder relevanter zu werden. Ob als historische Figuren oder politische Vorbilder – das Gedenken an die ermordeten Kommunistenführer bleibt ein fester Teil Berliner Geschichte und deutscher Erinnerungskultur.