Der Rüttenscheider Karneval lockt heute Tausende auf die Straßen Essens. Bei strahlendem Sonnenschein und milden 12 Grad zieht der Rosenmontagszug ab 14 Uhr durch den Stadtteil. Fast 90 Gruppen mit über 2.000 Teilnehmern verwandeln die 4,5 Kilometer lange Strecke in ein buntes Meer aus Kostümen, Kamelle und karnevalistischer Musik.
«Dieses Jahr haben wir einen Besucherrekord«, freut sich Andreas Schmidt, Präsident des Festkomitees. «Nach dem verregneten letzten Jahr sehen wir heute mindestens 100.000 Menschen entlang der Strecke.» Die Polizei bestätigt diese Einschätzung und spricht von einem bislang friedlichen Verlauf.
Von der Martinstraße über die Rüttenscheider Straße bis zum Haumannplatz drängen sich die kostümierten Jecken. Besonders beliebt: politische Verkleidungen zur aktuellen Bundesregierung und Tiermasken aller Art. «Es ist überwältigend«, sagt die 73-jährige Helga Meier, die seit 40 Jahren keinen Rüttenscheider Zug verpasst hat. «So viele junge Familien – das gab’s früher nicht.»
Für mich gehören die lachenden Kindergesichter zum Schönsten am Karneval. Als langjährige Berichterstatterin aus dem Ruhrgebiet erlebe ich immer wieder, wie der Karneval hier Menschen unterschiedlichster Herkunft verbindet. Heute sehe ich neben alteingesessenen Essenern auch viele internationale Gäste, die begeistert mitfeiern.
Die Wirtschaft profitiert ebenfalls. «Unser Umsatz hat sich heute verdreifacht«, berichtet Gastronom Peter Schulze vom Café am Rüttenscheider Stern. Die Stadt rechnet mit einem Gesamtumsatz von etwa zwei Millionen Euro für den lokalen Handel.
Der närrische Trubel wird voraussichtlich bis in den Abend andauern. Was bleibt, sind nicht nur tonnenweise Konfetti auf den Straßen, sondern auch ein Gefühl von Gemeinschaft in unruhigen Zeiten. Wie sagte Oberbürgermeister Thomas Kufen so treffend: «Hier zeigt sich, dass Essen nicht nur Kulturhauptstadt war, sondern auch Karnevalshochburg ist.»