Die türkische Mittelmeerküste wird dieser Tage von Rot und Weiß dominiert. Rund 300 Fans von Rot-Weiss Essen sind ihrem Drittligisten ins Trainingslager nach Belek gefolgt. Was dort als normale Saisonvorbereitung begann, entwickelt sich zu einer beeindruckenden Demonstration der Fanliebe. Die Anhänger säumen bei jedem Training die Plätze und sorgen für eine Atmosphäre, die selbst erfahrene Spieler überrascht.
Besonders eindrucksvoll war der Empfang am Teamhotel. Mit Pyrotechnik, Gesängen und einem Spalier begrüßten die Fans ihre Mannschaft – Gänsehautmomente für alle Beteiligten. «So etwas habe ich in 20 Jahren Berichterstattung bei einem Wintertrainingslager noch nicht erlebt», sagt Teammanager Frank Kurth. «Die Unterstützung gibt uns enormen Rückenwind.»
Die Reisebereitschaft der RWE-Anhänger ist legendär, doch diesmal haben sie sich selbst übertroffen. Viele haben Urlaub genommen und erhebliche Kosten auf sich genommen. «Wir sind nicht nur Fans, wir sind Familie», erklärt Michael Weber (42) aus Essen-Borbeck, der mit seinem 12-jährigen Sohn angereist ist.
Trainer Christoph Dabrowski nutzt die besondere Atmosphäre. Nach dem Training nehmen sich die Spieler viel Zeit für Autogramme und Fotos. Die Nähe zwischen Team und Fans ist spürbar. «Diese Verbundenheit macht RWE aus», so Kapitän Vinko Sapina. «Wir wollen ihnen in der Rückrunde etwas zurückgeben.»
Während ich die strahlenden Gesichter der Fans und Spieler beobachte, wird mir wieder einmal bewusst, was den Ruhrgebietsfußball so besonders macht: Diese bedingungslose Leidenschaft, die weit über das Sportliche hinausgeht. Wenn RWE am Samstag ins letzte Testspiel gegen Konyaspor geht, werden die Anhänger wieder da sein – lautstark und in Rot-Weiß. Und dann gemeinsam zurück an die Hafenstraße, wo der Kampf um den Klassenerhalt wartet.