Es ist das Topspiel der 3. Liga und gleichzeitig ein Stück Fußballkultur: Wenn Rot-Weiss Essen am Sonntag den Aufsteiger SSV Ulm 1846 an der Hafenstraße empfängt, treffen zwei Traditionsvereine mit leidenschaftlichen Fanszenen aufeinander. Für die Essener könnte es die Krönung einer überraschend starken Hinrunde werden.
«Wir haben die Chance, uns oben festzubeißen», sagt RWE-Coach Christoph Dabrowski vor dem Duell gegen den Tabellendritten. Mit einem Sieg könnte sein Team bis auf einen Punkt an die Ulmer heranrücken und ein ernsthaftes Wörtchen im Aufstiegsrennen mitreden. Eine Entwicklung, mit der vor der Saison kaum jemand gerechnet hätte.
Die Hafenstraße wird mit über 18.000 Zuschauern ausverkauft sein – ein Beleg für die Renaissance des Ruhrpott-Klubs, der nach Jahren der Tristesse wieder Erfolge feiert. Die Fans erleben derzeit eine Mannschaft, die besonders zuhause kaum zu bezwingen ist. Sechs Siege, ein Unentschieden und nur eine Niederlage stehen in der Heimbilanz.
Besonders beeindruckend: Die defensive Stabilität unter Dabrowski. Mit nur 15 Gegentoren stellt RWE die drittbeste Abwehr der Liga. «Unsere Kompaktheit ist der Schlüssel», erklärt Kapitän Vinko Sapina, der im Mittelfeld die Fäden zieht und zum Führungsspieler gereift ist.
Die Ulmer reisen allerdings mit breiter Brust an. Der Aufsteiger spielt eine herausragende Saison und mischt völlig überraschend im Aufstiegsrennen mit. «Wir treffen auf einen sehr gut organisierten Gegner», warnt Dabrowski, «aber wir haben zuhause unsere eigenen Stärken.»
Für beide Vereine geht es um mehr als nur drei Punkte. Es ist das letzte Hinrundenspiel – ein Erfolg würde die Winterpause deutlich versüßen und die Ambitionen für 2025 untermauern. Die Essener Fans träumen bereits leise vom Zweitliga-Comeback nach 16 Jahren Abwesenheit. An der Hafenstraße könnte am Sonntag ein wichtiger Schritt in diese Richtung folgen.