Die Emotionen kochen hoch an der Hafenstraße. Nach der umstrittenen Roten Karte gegen Vinko Hofmann im Spiel gegen den BVB II herrscht bei Rot-Weiss Essen Fassungslosigkeit. Nicht nur die Fans sind aufgebracht, auch Experten sehen die Entscheidung kritisch. «Eine klare Fehlentscheidung», urteilt Ex-FIFA-Schiedsrichter Manuel Gräfe, der den Platzverweis in den sozialen Medien scharf kritisierte.
Was war passiert? In der 64. Minute grätschte Hofmann in einen Zweikampf, traf dabei zuerst den Ball und dann im Nachgang seinen Gegenspieler. Schiedsrichter Lars Erbst zückte sofort Rot – eine Entscheidung, die das Spiel auf den Kopf stellte. RWE-Coach Christoph Dabrowski konnte seinen Unmut kaum zurückhalten: «Wenn das eine Rote Karte ist, können wir den Fußball neu erfinden.»
Besonders bitter: Der VAR, der in der 3. Liga nicht zum Einsatz kommt, hätte die Situation vermutlich anders bewertet. Spielanalysen zeigen, dass Hofmann zuerst klar den Ball spielte. «In den oberen Ligen wäre diese Entscheidung korrigiert worden», meint auch Gräfe, der jahrelang in der Bundesliga pfiff. Für RWE steht nun viel auf dem Spiel, denn eine Sperre für Hofmann würde die ohnehin angespannte Personalsituation weiter verschärfen.
Der Verein hat bereits angekündigt, Einspruch gegen die Sperre einzulegen. Die Chancen stehen nicht schlecht, wie ähnliche Fälle aus der Vergangenheit zeigen. Doch die verlorenen Punkte gegen den BVB II bringen sie nicht zurück. Für die Essener Fans bleibt ein bitterer Nachgeschmack in einer Saison, in der jeder Punkt zählt. Wieder einmal zeigt sich: Im Fußball entscheiden manchmal Sekundenbruchteile und Interpretationen über Erfolg und Misserfolg.