Die Bundesanwaltschaft hat gestern Abend im Berliner Stadtteil Mitte eine 52-jährige deutsch-russische Staatsangehörige festgenommen. Tanja S. steht im Verdacht, für den russischen Geheimdienst Informationen über deutsche Militäranlagen und Waffenlieferungen an die Ukraine gesammelt zu haben. Bei einer Razzia durchsuchten Polizeibeamte ihre Wohnung und stellten Mobiltelefone, Datenträger und Bargeld sicher.
Der Fall zeigt, wie aktiv russische Nachrichtendienste in Deutschland operieren. Seit Kriegsbeginn in der Ukraine haben Spionageaktivitäten deutlich zugenommen. Nach Informationen der Sicherheitsbehörden soll die Verdächtige seit mindestens 2023 für den russischen Militärgeheimdienst GRU tätig gewesen sein und unter anderem Fotos von Kasernen angefertigt haben.
«Die deutsch-russischen Beziehungen sind auf einem historischen Tiefpunkt», erklärt Sicherheitsexperte Prof. Markus Weber von der Universität München. «Spionagefälle wie dieser sind inzwischen keine Seltenheit mehr, sondern Teil einer hybriden Kriegsführung.»
Was mich bei diesem Fall besonders erschüttert: Die Verdächtige lebte seit über 20 Jahren in Deutschland und war vollständig integriert. Als ich vor einigen Jahren über russische Einflussnahme in Baden-Württemberg recherchierte, begegnete ich ähnlichen Fällen – Menschen mit doppelter Loyalität, die sich irgendwann entscheiden mussten.
Die Verhaftete sitzt nun in Untersuchungshaft. Ihr drohen bei Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft. Gleichzeitig warnen Verfassungsschützer vor weiteren «Schläfern» in Deutschland. Der Fall verdeutlicht die Zerrissenheit in der deutsch-russischen Community – zwischen Integration und Heimatverbundenheit. Und er wirft die Frage auf: Wie können wir einerseits Misstrauen vermeiden, andererseits aber wachsam bleiben?