Die Dortmunderin Britta Schmidt (47) lebt seit Monaten in einem Albtraum. In ihrer barrierefreien Wohnung im zweiten Stock eines Mehrfamilienhauses hat sich Schimmel ausgebreitet – eine besonders gefährliche Situation für die Rollstuhlfahrerin mit schwerer Lungenkrankheit. «Mit meiner schwachen Lunge sind Schimmelpilzsporen lebensbedrohlich», erzählt sie mit zitternder Stimme.
Der Schimmel ist jedoch nur ein Teil ihrer Probleme. Seit mehr als drei Wochen funktioniert der Aufzug nicht mehr. Für Schmidt bedeutet das: Sie sitzt in ihrer Wohnung fest. «Ich komme weder zum Arzt noch zum Einkaufen. Freunde helfen mir mit dem Nötigsten», sagt sie.
Die Hausverwaltung reagiert nur schleppend. Auf Anfragen antwortet sie mit Standardfloskeln. «Wir arbeiten an einer Lösung», heißt es. Doch konkrete Maßnahmen bleiben aus. Ein Gutachter, der den Schimmelbefall untersuchen sollte, kam nie an – wegen des defekten Aufzugs.
Ähnliche Fälle häufen sich in Dortmund. Der Mieterverein verzeichnet einen Anstieg von Beschwerden über mangelhafte Instandhaltung barrierefreier Wohnungen um 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. «Menschen mit Behinderung sind besonders verletzlich bei solchen Missständen», erklärt Klaus Müller vom Mieterverein Dortmund.
Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einer älteren Dame in München, die ähnliches durchmachte. Sie sagte damals: «Die vergessen einfach, dass hinter jeder Wohnungsnummer ein Mensch steht.»
Schmidt hat inzwischen das Gesundheitsamt eingeschaltet. Die Behörde prüft, ob eine Gefährdungslage vorliegt. Die Hoffnung der Mieterin: «Dass endlich jemand Verantwortung übernimmt.» Für Menschen mit Behinderung ist bezahlbarer, barrierefreier Wohnraum ohnehin Mangelware.
Die Frage bleibt: Wie lange darf es dauern, bis grundlegende Wohnbedürfnisse erfüllt werden? Schmidts Fall zeigt, dass es nicht nur um Paragraphen geht, sondern um Menschenwürde im Alltag.