Die Bewohner Schleswig-Holsteins schauen besorgt zum Himmel. Der Deutsche Wetterdienst hat für heute und morgen eine Unwetterwarnung herausgegeben – bis zu 80 Liter Regen pro Quadratmeter könnten in einigen Regionen niedergehen. «Wir beobachten die Lage sehr genau», erklärt Jan Petersen vom Katastrophenschutz in Kiel.
In meinen fast zwanzig Jahren als Reporterin habe ich selten eine so angespannte Stimmung bei den Einsatzkräften erlebt. Die Feuerwehren im Land sind in erhöhter Alarmbereitschaft, Sandsäcke werden vorsorglich verteilt. Besonders gefährdet: tiefliegende Gebiete an der Westküste und im Hamburger Umland.
Der Unwetteralarm kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Böden sind nach dem regenreichen Frühjahr bereits gesättigt. «Jeder weitere Tropfen ist einer zu viel», warnt Umweltexperte Thomas Müller von der Uni Kiel. Die Pegelstände der Flüsse Stör und Trave liegen bereits jetzt deutlich über dem Normalwert.
Pendler müssen sich auf Einschränkungen einstellen. Die Deutsche Bahn hat angekündigt, den Regionalverkehr bei Bedarf einzuschränken. «Sicherheit geht vor», betont Bahnsprecherin Franziska Weber.
In den sozialen Medien teilen Anwohner bereits Bilder von überfluteten Kellern und Straßen – besonders aus dem Raum Neumünster, wo gestern Abend erste Gewitter niedergingen. Die Erinnerungen an das Unwetter im letzten Sommer, das in Flensburg Millionenschäden verursachte, sind noch frisch.
Was bleibt? Eine Gesellschaft, die immer häufiger mit Extremwetterlagen konfrontiert wird. Die Klimaprognosen für Norddeutschland zeigen: Solche Starkregenereignisse werden zunehmen. Sind unsere Städte und Gemeinden darauf vorbereitet? Diese Frage drängt sich mit jedem neuen Unwetter stärker auf.