Seit Mitternacht herrscht in Teilen Ost- und Süddeutschlands der Ausnahmezustand. Bis zu 20 Zentimeter Neuschnee fielen binnen weniger Stunden, begleitet von gefrierendem Regen, der Straßen und Gehwege in gefährliche Rutschbahnen verwandelte. Besonders betroffen sind Sachsen, Thüringen und Bayern. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor «extremer Glättegefahr» bis mindestens heute Abend.
Auf den Autobahnen A4 und A9 stehen Hunderte Fahrzeuge seit Stunden im Stau. Bei Dresden kam es zu einer Massenkarambolage mit 16 Fahrzeugen und sieben Verletzten. Die Bahn hat den Regionalverkehr in den betroffenen Gebieten weitgehend eingestellt. «Wir können die Sicherheit der Fahrgäste nicht gewährleisten», erklärt Bahn-Sprecherin Sandra Hoffman. Im Fernverkehr kommt es zu erheblichen Verspätungen und Ausfällen.
Die Rettungsdienste arbeiten am Limit. Allein in München wurden seit gestern Abend über 130 wetterbedingte Einsätze gemeldet, überwiegend wegen Stürzen. «So einen plötzlichen Wintereinbruch habe ich in meinen 22 Jahren Dienst selten erlebt«, erzählt mir ein Sanitäter am Münchner Marienplatz, während er einer gestürzten älteren Dame hilft.
Viele Kommunen kritisieren die Wetterwarnungen als zu spät. «Wir wurden praktisch über Nacht überrascht», sagt Dresdens Bürgermeister Thomas Fischer. Der Winterdienst sei zwar im Einsatz, komme aber kaum hinterher. Meteorologen verteidigen sich: Die Geschwindigkeit der einströmenden Kaltfront sei unterschätzt worden.
Für die nächsten 24 Stunden bleibt die Lage angespannt. Experten raten, auf unnötige Fahrten zu verzichten. Doch ein Blick aus meinem Hotelfenster in Dresden zeigt: Trotz aller Warnungen sind viele Menschen unterwegs – manche notgedrungen, andere mit erstaunlicher Gelassenheit. «Na ja, is› halt Winter», meint ein Passant achselzuckend. Diese typisch sächsische Pragmatik wird in den kommenden Tagen noch gefragt sein.