Der Norden versinkt im Schnee: Hamburg erlebt seit Montagmorgen das stärkste Winterchaos seit 15 Jahren. Mit über 42 Zentimetern Neuschnee innerhalb von nur 24 Stunden kämpft die Hansestadt gegen die weißen Massen. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor weiteren ergiebigen Schneefällen bis Mittwoch – der Katastrophenschutz ist in Alarmbereitschaft.
Auf den Straßen herrscht Stillstand. «Wir haben seit 3 Uhr morgens alle verfügbaren Räumfahrzeuge im Einsatz, kommen aber kaum hinterher», erklärt Stadtreinigungschef Rüdiger Siechau am Dienstagmorgen. Über 240 Räumfahrzeuge kämpfen gegen die Schneemassen, dennoch musste der HVV den Busbetrieb vollständig einstellen. Die S-Bahnen fahren nur noch im Notbetrieb.
Alle 221 Hamburger Schulen bleiben mindestens bis Donnerstag geschlossen. «Die Sicherheit unserer Schülerinnen und Schüler hat oberste Priorität», betont Schulsenator Ties Rabe. Betriebe setzen auf Homeoffice, wo möglich – der Hamburger Hafen meldet erhebliche Verzögerungen.
Besonders dramatisch ist die Lage in Stadtteilen wie Blankenese, wo steile Straßen komplett unpassierbar sind. «Ich komme seit gestern nicht mehr aus dem Haus», berichtet die 78-jährige Anwohnerin Helga Petersen. «Zum Glück haben Nachbarn für mich eingekauft.»
Als ich gestern durch Eppendorf ging, sah ich etwas, das mich überraschte: Trotz aller Widrigkeiten bildeten sich spontane Nachbarschaftsgruppen, die gemeinsam Gehwege freischaufelten. Hamburger Pragmatismus im Krisenmodus.
Die wirtschaftlichen Folgen sind bereits spürbar. Der Einzelhandel in der Innenstadt verzeichnet Umsatzeinbußen von geschätzt 70 Prozent. Der Flughafen Hamburg musste über 160 Flüge streichen. Wetterexperte Frank Böttcher prognostiziert: «Mit Entspannung ist frühestens am Wochenende zu rechnen.»
Das Winterchaos weckt Erinnerungen an 2010, als Hamburg ähnlich lahmgelegt wurde. Die Frage bleibt: Ist die Stadt trotz Klimawandel auf extreme Winterereignisse vorbereitet? Möglicherweise wird uns diese Frage in Zukunft öfter beschäftigen, als wir dachten.