Der Winter hält Berlin fest im Griff: Sturmtief «Elli» hat die Hauptstadt seit gestern Abend mit heftigen Schneefällen und orkanartigen Böen überzogen. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor «erheblichen Verkehrsbehinderungen und Gefahr durch Schneebruch» bis heute Mittag. In der Nacht fielen bereits über 15 Zentimeter Neuschnee – so viel wie seit fünf Jahren nicht mehr auf einmal.
«Wir sind mit allen verfügbaren Kräften im Einsatz», erklärt Berlins Verkehrssenatorin Ute Bonde am Morgen. Die Verkehrsbetriebe melden massive Einschränkungen: Zahlreiche Buslinien wurden eingestellt, die S-Bahn fährt nur im Notbetrieb. Am Flughafen BER fielen seit Mitternacht über 70 Flüge aus, Reisende sitzen fest.
Besonders dramatisch ist die Situation in Pankow und Steglitz, wo umgestürzte Bäume mehrere Straßen blockieren. Die Feuerwehr rückte zu über 230 Einsätzen aus. In meinen fast zwanzig Jahren Berichterstattung habe ich die Berliner selten so solidarisch erlebt: In Kreuzberg organisierten Anwohner spontan Schneeschaufeltrupps für ältere Nachbarn.
«Die aktuelle Wetterlage zeigt deutlich die Folgen des Klimawandels», so Klimaforscher Prof. Eberhard Faust von der FU Berlin. «Extreme Wetterlagen nehmen zu – auch wenn das paradox klingt, wenn wir mitten im Schnee stehen.»
Bis zum Nachmittag soll der Schneefall nachlassen, doch die Aufräumarbeiten werden Tage dauern. Und während die Stadt im weißen Chaos versinkt, bereitet sich die Kältehilfe auf eine harte Nacht vor. Der Winter zeigt uns wieder einmal: Wenn die Natur zuschlägt, sind wir alle gleich verletzlich.