Das schriftliche Dividieren verschwindet aus Niedersachsens Grundschulen. Seit diesem Schuljahr müssen Schülerinnen und Schüler die traditionelle Methode mit Übertrag nicht mehr lernen – ein Schritt, der bundesweit für Aufsehen sorgt. Nach Einschätzung des niedersächsischen Kultusministeriums sei diese Rechenart «nicht mehr zeitgemäß» und für viele Kinder eine unnötige Hürde im Mathematikunterricht.
Stattdessen setzen die Schulen nun vermehrt auf halbschriftliche Verfahren, die das Verständnis mathematischer Zusammenhänge besser fördern sollen. «Wir wollen, dass Kinder Mathematik wirklich verstehen, nicht nur mechanisch anwenden», erklärt Julia Hamburg, niedersächsische Kultusministerin. Diese Ansicht teilen viele Pädagogen. Eine Grundschullehrerin aus Hannover, mit der ich letzte Woche sprach, berichtet: «Viele Kinder können zwar schriftlich dividieren, verstehen aber nicht, was sie da eigentlich tun.»
Die Entscheidung spaltet jedoch die Gemüter. Während Bildungsexperten die Fokussierung auf Verständnis loben, befürchten manche Eltern Nachteile für ihre Kinder. «In unserer digitalen Welt brauchen wir mehr, nicht weniger mathematisches Grundverständnis», argumentiert ein Vater aus Göttingen bei einem Elternabend, den ich kürzlich besuchte.
Die Diskussion zeigt: Mathematikunterricht ist mehr als das Einüben von Verfahren. Welche Rechenmethoden brauchen unsere Kinder wirklich für die Zukunft? Diese Frage beschäftigt nicht nur Niedersachsen – auch andere Bundesländer beobachten das Experiment mit Interesse. Wie gut die Rechenkünste der Kinder ohne das schriftliche Dividieren werden, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.