Berlin hält den Atem an. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wird in Kürze in der Hauptstadt erwartet, und die Sicherheitsbehörden haben die höchste Alarmstufe ausgerufen. „Wir sind auf jedes Szenario vorbereitet», erklärt ein Sprecher der Berliner Polizei. In der Innenstadt sind bereits jetzt Straßensperren, Scharfschützen auf Dächern und verstärkte Polizeipatrouillen sichtbar.
Der Besuch findet in einem hochsensiblen Moment statt. Seit über zwei Jahren führt die Ukraine einen Verteidigungskrieg gegen Russland. Selenskyj kommt mit klaren Erwartungen nach Berlin: mehr Waffen, mehr finanzielle Unterstützung, mehr politischer Rückhalt. Ein deutscher Sicherheitsexperte, der anonym bleiben möchte, beschreibt die Lage als „außergewöhnlich herausfordernd».
Ich erinnere mich noch gut an Selenskyjs letzten Besuch in Hamburg. Damals war die Stimmung ähnlich angespannt, aber die Sicherheitsmaßnahmen waren deutlich zurückhaltender. Was mich heute in Berlin besonders beeindruckt: Trotz der massiven Polizeipräsenz versuchen die Einsatzkräfte, den Alltag der Hauptstädter so wenig wie möglich einzuschränken.
Die Bevölkerung reagiert mit einer Mischung aus Verständnis und Nervosität. „Es ist schon beunruhigend, aber auch wichtig, dass wir zeigen: Berlin steht an der Seite der Ukraine», sagt Anwohnerin Martina Becker (54), während sie an einer Polizeiabsperrung wartet. Ein junger Student ergänzt: „Man gewöhnt sich an nichts.«
Die nächsten 24 Stunden werden zeigen, ob die Sicherheitsarchitektur funktioniert. Für Berlin ist dieser Besuch nicht nur eine logistische Herausforderung, sondern auch ein Symbol der ungebrochenen Unterstützung in schwierigen Zeiten. Die Frage bleibt: Wie lange kann Deutschland dieses Engagement aufrechterhalten?