Die Debatte um ein Böllerverbot zu Silvester erreicht in Hamburg eine neue Dimension. Die Feuerwehr der Hansestadt veröffentlichte gestern erschütternde Bilder von Verletzungen durch Feuerwerkskörper – verbrannte Hände, entstellte Gesichter, abgerissene Finger. Laut aktuellen Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie wurden bundesweit zum letzten Jahreswechsel mehr als 1.700 Menschen durch Pyrotechnik verletzt.
Feuerwehrsprecher Jan Müller erklärt den ungewöhnlichen Schritt: «Wir wollen keine Panik verbreiten, sondern aufrütteln. Die Menschen unterschätzen die Gefahren massiv.» Die Bilder sollen nun Teil einer Aufklärungskampagne werden, die bis zum Jahreswechsel 2025 laufen wird.
Die Initiative stößt auf geteilte Reaktionen. Während Umweltverbände und Ärztevertreter applaudieren, kritisieren Pyrotechnik-Hersteller die «einseitige Darstellung». Thomas Weber vom Verband der Feuerwerksbranche fordert stattdessen «mehr Aufklärung über sichere Handhabung«.
In Hamburg mehren sich die Stimmen für ein generelles Verbot. In meinen fast zwanzig Jahren Berichterstattung habe ich die Stimmung in der Stadt selten so gespalten erlebt. In den Stadtteilen St. Pauli und Altona, wo die Böllerei besonders intensiv ist, zeigen Anwohner Verständnis für strengere Regeln.
Die Stadt prüft nun verschiedene Optionen für 2025. Möglich wären erweiterte Verbotszonen oder ein komplettes Verbot, wie es andere europäische Städte bereits praktizieren. Der entscheidende Impuls könnte diesmal von den drastischen Bildern der Feuerwehr ausgehen. Denn eines ist klar: Hinter jedem Bild steckt ein Mensch, dessen Leben sich in einer Silvesternacht für immer verändert hat.