Der Jahreswechsel brachte in Hamburg und Schleswig-Holstein nicht nur Feuerwerk und Feierlichkeiten, sondern auch Gewalt gegen Einsatzkräfte. Nach vorläufigen Zahlen wurden mindestens zehn Polizeibeamte in der Silvesternacht verletzt. Allein in Hamburg meldete die Polizei sieben Verletzte aus den eigenen Reihen, während in Schleswig-Holstein drei weitere Beamte zu Schaden kamen. Die Dunkelziffer könnte höher liegen, da die Auswertung der Einsätze noch andauert.
«Besonders im Schanzenviertel und auf der Reeperbahn hatten wir kritische Situationen», berichtet Polizeisprecher Thomas Jungfer. Mehrere Beamte wurden mit Böllern beworfen, als sie Streithähne trennen oder übermütige Feiernde bremsen wollten. Ein Polizist erlitt ein Knalltrauma, zwei weitere Prellungen und Schnittwunden.
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zeigt sich alarmiert über den zunehmenden Respektverlust. «Was wir hier erleben, ist leider kein Silvesterphänomen mehr», erklärt GdP-Landesvorsitzende Maren Freyher. «Die Hemmschwelle, Einsatzkräfte anzugreifen, sinkt seit Jahren.»
In meinen fast zwanzig Jahren als Reporterin habe ich die Silvestereinsätze mehrfach begleitet. Was früher Ausnahme war, scheint heute fast Normalität: Die Uniformen, einst Schutz, wirken mittlerweile auf manche wie ein rotes Tuch.
Die Polizei Hamburg hatte sich mit zusätzlichen Kräften auf die Nacht vorbereitet. Erstmals kamen verstärkt Bodycams zum Einsatz, um Angreifer abzuschrecken und Beweise zu sichern. Ob diese Strategie langfristig Wirkung zeigt, bleibt abzuwarten.
Während die meisten Hamburger friedlich ins neue Jahr feierten, werfen die Vorfälle doch einen Schatten auf den Jahreswechsel. Müssen wir uns an diese Art von «Silvesterroutine» gewöhnen? Die Antwort liegt wohl nicht nur bei der Polizei, sondern in der Mitte unserer Gesellschaft.