Die SPD in Nordrhein-Westfalen fordert ein «Startkapital» für jedes neugeborene Kind im Bundesland. Ihr Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2027, Jochen Ott, präsentierte die Idee gestern im WDR-Politmagazin «Westpol». Jedes Kind soll demnach 1.000 Euro als Grundstock für die Zukunft erhalten. Laut aktuellen Statistiken werden in NRW jährlich rund 170.000 Kinder geboren.
«Kinder sind unsere Zukunft, aber Chancengerechtigkeit fängt bereits bei der Geburt an», erklärte Ott im Interview. Der SPD-Politiker möchte das Geld auf einem Treuhandkonto anlegen lassen, bis die Kinder volljährig werden. Mit 18 Jahren könnten sie dann über die angewachsene Summe verfügen – für Ausbildung, Studium oder andere Zukunftsinvestitionen.
Als ich vor zwei Wochen in Dortmund unterwegs war, sprach ich mit zahlreichen Familien, die ihre finanziellen Sorgen schilderten. Eine alleinerziehende Mutter sagte mir: «Für die Zukunft meines Sohnes kann ich kaum etwas zurücklegen, obwohl ich Vollzeit arbeite.»
Das Konzept orientiert sich an ähnlichen Modellen aus Großbritannien und Singapur. Finanziert werden soll das Programm aus dem Landeshaushalt. Bei den prognostizierten Geburtenzahlen würden jährlich etwa 170 Millionen Euro benötigt – keine kleine Summe für das ohnehin finanziell angespannte Land.
Die CDU-geführte Landesregierung reagierte zurückhaltend. Familienministerin Josefine Paul verwies auf bestehende Unterstützungsprogramme und die angespannte Haushaltslage. Die Grünen zeigten sich grundsätzlich offen für die Idee, forderten aber eine solide Gegenfinanzierung.
Was in der nordrhein-westfälischen Politik oft als unrealistisch abgetan wird, könnte bei vielen Familien auf offene Ohren stoßen. Besonders in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten stellt sich die Frage: Sollte der Staat bereits bei Neugeborenen für mehr finanzielle Chancengleichheit sorgen?