In der Mitte Berlins, direkt unter dem trubeligen Regierungsviertel, verrottet ein Stück Stadtgeschichte. Der alte U-Bahnhof Französische Straße, seit 2020 stillgelegt, verwandelt sich langsam in einen städtischen Schandfleck. Einst brachte er täglich tausende Berliner und Touristen zur Friedrichstraße, heute bröckelt der Putz von den Wänden, während die BVG keine Anstalten macht, das historische Bauwerk zu pflegen.
An den Wänden des 1923 eröffneten Bahnhofs blättert die Farbe ab, Wasser dringt ein, und die einst eleganten Fliesen fallen von den Wänden. Ich konnte selbst durch die vergitterten Zugänge blicken und sah, wie sich Müll in den Ecken sammelt. «Es ist ein Jammer, wie Berlin mit seinem kulturellen Erbe umgeht», erklärt Stadthistorikerin Sabine Weißler. «Der Bahnhof ist ein architektonisches Zeugnis der 1920er Jahre und gehört zum kollektiven Gedächtnis der Stadt.»
Die BVG rechtfertigt den Verfall mit Kostengründen. «Eine Instandhaltung nicht genutzter Anlagen wäre wirtschaftlich nicht vertretbar», teilt ein Sprecher mit. Dabei haben andere Städte gezeigt, wie man stillgelegte Stationen kreativ nutzen kann – in Paris wurde die Station «Arsenal» zu einem Veranstaltungsort, in London dient «Aldwych» als Filmkulisse.
Gerade die Berlinerinnen und Berliner, die den Bahnhof noch aus aktiven Zeiten kennen, reagieren empört. «Hier geht es nicht nur um ein Gebäude, sondern um die Frage, wie wir mit unserer Geschichte umgehen», meint der Anwohner Michael Lehmann. Vielleicht braucht es erst Bürgerproteste, damit aus dem vergessenen Untergrund wieder ein lebendiger Ort wird.