Der Wintereinbruch hat Berlin fest im Griff, und mit ihm kehrt ein altbekannter Streit zurück: Darf bei Schnee und Eis Streusalz eingesetzt werden? Nach tagelanger Glätte und zahlreichen Unfällen geriet der Naturschutzbund (Nabu) in die Kritik, weil er sich seit Jahren gegen den flächendeckenden Einsatz von Streusalz ausspricht.
Die Zahlen sind beunruhigend: Allein in den ersten drei Tagen des Wintereinbruchs verzeichneten Berliner Krankenhäuser über 400 Einlieferungen wegen Stürzen auf glatten Gehwegen. Der Nabu Berlin wehrt sich nun gegen Vorwürfe, die Sicherheit der Menschen zu vernachlässigen. «An besonders gefährlichen Stellen wie Treppen und steilen Rampen ist Salz durchaus sinnvoll», erklärt Nabu-Geschäftsführer Jens Scharon.
Kritiker wie die FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus fordern einen pragmatischeren Umgang mit dem Thema. «Der Schutz von Menschen muss Vorrang haben», sagt der verkehrspolitische Sprecher Felix Reifschneider. In meinen fast zwanzig Jahren als Reporterin habe ich diesen Konflikt immer wieder beobachtet – besonders in Städten wie Berlin, wo Umweltschutz und praktische Alltagsbedürfnisse aufeinanderprallen.
Der Nabu betont, dass Alternativen wie Splitt oder Sand ausreichend seien. Streusalz schädige nicht nur Bäume und Pflanzen, sondern auch Pfoten von Haustieren und das Grundwasser. Die Berliner Stadtreinigung (BSR) setzt auf einen Mittelweg: Hauptverkehrsstraßen werden mit Salz gestreut, Nebenstraßen mit Granulat.
Was viele Berliner nicht wissen: Seit 2010 gilt ein Streusalzverbot für private Grundstücke – mit Ausnahmen für gefährliche Stellen. Die aktuelle Debatte zeigt, wie Klimawandel mit wechselhafteren Wintern unser Zusammenleben verändert. Brauchen wir neue Kompromisse zwischen Umweltschutz und Sicherheit?