Die Berliner Straßen glitzern im Frost. Seit zwei Tagen gilt die offizielle Streusalz-Freigabe für die Hauptstadt – eine Ausnahme vom strengen Umweltschutzgesetz, die nur bei extremer Glätte aktiviert wird. Dennoch bleiben viele Gehwege gefährlich rutschig. Laut Berliner Stadtreinigung (BSR) wurden bisher nur 2.500 Tonnen Salz ausgebracht – deutlich weniger als in vergleichbaren Winterphasen vergangener Jahre.
Die Zurückhaltung hat Gründe: Viele Hausverwaltungen und Eigentümer scheinen die Freigabe nicht mitzubekommen. «Ich habe davon nichts gewusst», gibt Anja Schröder zu, die ein Mehrfamilienhaus in Friedrichshain verwaltet. «Wir streuen weiter mit dem umweltfreundlichen Granulat.» Andere fürchten Bußgelder, obwohl diese seit der Freigabe nicht mehr drohen.
Umweltschützer sehen die Situation zwiespältig. «Natürlich schädigt Streusalz Bäume und Grundwasser», erklärt Dr. Michael Weber vom BUND Berlin. «Aber bei dieser extremen Glätte geht die Sicherheit vor.» In meinen fast zwei Jahrzehnten als Reporterin habe ich selten erlebt, dass eine Ausnahmeregelung so wenig Beachtung findet.
Die BSR bemängelt die schleppende Information: «Wir haben alle Kanäle genutzt, aber offenbar reicht das nicht.» Am Kottbusser Damm beobachte ich, wie ein älterer Herr vorsichtig über vereistes Pflaster balanciert, während gleich nebenan der Weg vor einem Supermarkt perfekt gestreut ist.
Was bleibt: Die Freigabe gilt noch bis zum Wochenende. Bei anhaltender Kälte könnten weitere folgen. Ein Nachbar aus meinem Kiez in Schöneberg bringt es auf den Punkt: «Berlin ist, wenn das Salz freigegeben wird, aber kaum einer streut.»
Mehr Infos zur Streusalz-Regelung bei der BSR-Winterdienst-Hotline.