In Hamburg gelten seit heute Morgen Ausnahmeregeln für den Einsatz von Streusalz. Nach starkem Schneefall hat der Senat das bestehende Verbot vorübergehend aufgehoben. «Die aktuelle Wetterlage erfordert außergewöhnliche Maßnahmen», erklärte Umweltsenator Jens Kerstan. Bei Temperaturen um minus fünf Grad und einer geschlossenen Schneedecke von mehr als 15 Zentimetern sei die Sicherheit der Bürger vorrangig.
Normalerweise ist in der Hansestadt aus Umweltschutzgründen der Einsatz von Streusalz auf öffentlichen Wegen streng untersagt. Stattdessen setzen die Behörden auf umweltfreundlichere Alternativen wie Sand und Splitt. Doch bei der aktuellen Extremwetterlage reichen diese Mittel nicht aus, um die Sicherheit zu gewährleisten.
«Wir haben allein gestern 47 witterungsbedingte Unfälle registriert», berichtet Polizeisprecherin Martina Krüger. Die Rettungsdienste kommen teilweise nur schwer durch die verschneiten Straßen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen und Personen mit eingeschränkter Mobilität.
Die Stadtreinigung Hamburg hat bereits reagiert und setzt nun verstärkt Räumfahrzeuge mit Salz ein. Priorität haben dabei Hauptverkehrsadern und Zufahrten zu Krankenhäusern. «Wir bitten trotzdem alle Hamburgerinnen und Hamburger um Vorsicht und wenn möglich zuhause zu bleiben», so ein Sprecher der Stadtreinigung.
Auf meinem Weg durch Eimsbüttel heute Morgen konnte ich beobachten, wie viele Anwohner verunsichert vor ihren Häusern standen. «Darf ich jetzt salzen oder nicht?«, fragte mich ein älterer Herr, während er vergeblich versuchte, den Gehweg mit Splitt begehbar zu machen.
Die Ausnahmeregelung gilt vorerst für drei Tage. Danach wird je nach Wetterlage entschieden. Umweltschützer mahnen bereits zur Zurückhaltung. «Jedes Kilogramm Salz schadet Bäumen und Grundwasser», warnt der BUND Hamburg. Die Stadt verspricht, den Einsatz auf das Notwendigste zu beschränken.
Die aktuelle Situation zeigt einmal mehr den Balanceakt zwischen Sicherheit und Umweltschutz. Hamburg war bundesweit Vorreiter mit seinem strengen Salzverbot – und nun Beispiel dafür, wie selbst gut gemeinte Umweltschutzmaßnahmen an ihre Grenzen stoßen, wenn das Wetter nicht mitspielt.