Der Stromausfall, der gestern Abend den Berliner Südwesten lahmlegte, hat rund 40.000 Haushalte in Zehlendorf, Steglitz und Teilen von Charlottenburg betroffen. Gegen 19:30 Uhr gingen plötzlich die Lichter aus – laut Vattenfall aufgrund eines technischen Defekts in einem Umspannwerk. Innerhalb von Minuten verwandelten sich belebte Straßen in dunkle Kulissen, während die Temperaturen auf knapp über Null Grad fielen.
Die Feuerwehr Berlin meldete mehr als 100 Notrufe in der ersten Stunde. «Wir haben sofort zusätzliche Einsatzkräfte in die betroffenen Gebiete verlegt», erklärt Feuerwehrsprecher Martin Schneider. Vor allem ältere Menschen und Familien mit kleinen Kindern waren besorgt. In drei Pflegeheimen sprangen Notstromaggregate an, funktionieren aber nur für begrenzte Zeit.
Vor Ort erlebte ich eine bemerkenswerte Atmosphäre der Solidarität. In der Clayallee versammelten sich Nachbarn mit Taschenlampen, teilten Kerzen und heißen Tee. «Wir haben unser altes Kurbelradio rausgekramt», erzählt Anwohnerin Petra Müller (64), während sie mir ihre batteriebetriebene LED-Laterne zeigt. «Man merkt erst, wie abhängig wir von Strom sind, wenn er weg ist.»
Die Polizei verstärkte ihre Präsenz in den dunklen Vierteln. Ampeln fielen aus, Supermärkte mussten schließen. Das Universitätsklinikum Benjamin Franklin konnte dank seiner Notversorgung den Betrieb aufrechterhalten, verschob aber nicht-kritische Operationen.
Gegen 23:15 Uhr kehrte der Strom schrittweise zurück. Die genaue Ursache wird noch untersucht. Experten sprechen von einem Warnzeichen für die anfällige Infrastruktur. Dieser Ausfall zeigt einmal mehr, wie dünn die Membran unserer modernen Zivilisation tatsächlich ist – und wie wichtig funktionierende Notfallpläne für alle Haushalte sind.