In den frühen Morgenstunden lag Berlins Südosten heute plötzlich im Dunkeln. Mehr als 35.000 Haushalte in Köpenick, Treptow und Teilen von Neukölln waren von einem massiven Stromausfall betroffen. Die Ursache: Bei Bauarbeiten an der Bundesstraße 96a durchtrennte ein Bagger versehentlich ein Hochspannungskabel. Bereits der zweite größere Blackout in der Hauptstadt innerhalb von drei Monaten.
Der Vorfall zeigt einmal mehr die Verletzlichkeit unserer Infrastruktur. «Die Stromversorgung ist unser empfindlichstes Nervensystem. Wenn sie ausfällt, steht buchstäblich alles still,» erklärt Energieexperte Prof. Claudia Kemfert vom DIW Berlin. Ampeln fielen aus, Geschäfte blieben dunkel, Mobilfunknetze waren überlastet. In mehreren Altenheimen mussten Notstromaggregate anspringen.
Besonders dramatisch war die Lage im Unfallkrankenhaus Köpenick, wo planbare Operationen verschoben werden mussten. «Wir arbeiten mit Hochdruck an der Wiederherstellung,» versicherte eine Sprecherin der Berliner Netze am Vormittag. Gegen 14 Uhr waren die meisten Haushalte wieder am Netz.
In meinen zwanzig Jahren als Reporterin habe ich mehrere solcher Vorfälle begleitet. Was mich immer wieder beeindruckt: wie schnell Menschen zusammenrücken, wenn die gewohnte Technik versagt. In einem Köpenicker Café stellten sie Kerzen auf und servierten kalte Getränke, während Nachbarn ihre Powerbanks teilten.
Der Vorfall wirft grundsätzliche Fragen zur Sicherheit kritischer Infrastruktur auf. Experten fordern seit langem mehr redundante Systeme und besseren Schutz von Versorgungsleitungen. Werden wir daraus lernen? Die nächsten Bauarbeiten kommen bestimmt.